Wirtschaftsweise: Wir sollen erst mit 69 in Rente!

Ruhestand: Wer jetzt Anfang 20 ist, soll ihn erst ab 69 Jahren genießen können, fordern die Wirtshaftsweisen.
© dpa, Ralf Hirschberger

06. Juni 2011 - 19:51 Uhr

Rente mit 67 schon ab 2029

Die junge Generation in Deutschland muss sich auf noch längere Lebensarbeitszeiten einstellen als bisher angenommen. Wer jetzt Anfang 20 und gerade ins Berufsleben eingestiegen ist, soll erst mit 69 Jahren in Rente gehen. Nur dann seien die Konsequenzen aus schrumpfender Bevölkerung und steigender Lebenserwartung beherrschbar, sagen die Fünf Wirtschaftsweisen. Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände laufen dagegen Sturm

Bis zum Jahr 2060 müsse das Renteneintrittsalter stufenweise auf 69 Jahre angehoben werden, meinen die Experten in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Sollte die Politik diesem Rat folgen und den Rentenbeginn zunächst auf das Alter von 68 im Jahr 2045 anheben, wären davon Kinder und Jugendliche betroffen, die nach 1977 geboren sind.

Die Rente mit 67 muss nach Überzeugung der Experten schrittweise bis 2029 eingeführt werden. Ohne diesen Schritt drohe ein dramatischer Anstieg der Staatsschulden - mit massiven Lasten für künftige Generationen. Um den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen, sei "keine Zeit zu verlieren", heißt es in dem Gutachten.

Opposition warnt vor mehr Altersarmut

"In den Jahren 2045 und 2060 wird dann vermutlich ein gesetzliches Renteneintrittsalter von 68 beziehungsweise 69 Jahren erforderlich sein", stellen die Wissenschaftler fest. Für spezielle Berufe könnten Ausnahmen geprüft werden. Die höheren Altersgrenzen sollten auch für die Beamten gelten.

Weil die Deutschen immer älter werden hat sich die durchschnittliche Dauer der Rentenbezüge in den vergangenen 50 Jahren in fast verdoppelt: Wer 1960 in Pension ging, bezog nur knapp zehn Jahre Rente, heute sind es mehr als 18 Jahre.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler stellte sich hinter die Empfehlungen, die Lasten der demografischen Entwicklung nicht über höhere Steuern und Beiträge zu decken. "Die Lebenserwartung steigt, und die Menschen bleiben länger gesund. Dieses Geschenk müssen wir nutzen, um unsere Arbeitsmärkte und Sozialsysteme fit zu machen für die Zukunft", sagte der FDP-Politiker.

Die Linke sprach von "unsozialen Vorschlägen" und warnte vor einer Ausweitung der Altersarmut. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte, dies sei mit den Sozialdemokraten "nicht zu machen".

Nach DGB-Ansicht würde eine Anhebung des Rentenalters nicht zu einer Entlastung der öffentlichen Haushalte führen. Die Gewerkschaft Verdi warf den Experten vor, von der deutschen Arbeitswirklichkeit "offenbar keine Ahnung" zu haben. Der Sozialverband Deutschland nannte bereits die Rente mit 67 "unverantwortlich".