Wirtschaftsverband befürchtet trotz Hilfen Verwerfungen

Der Plenarsaal der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild
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02. April 2020 - 7:40 Uhr

Trotz Schutzschirm und Nothilfen rechnet der Unternehmensverband Nord (UV Nord) wegen der Corona-Krise mit schweren Verwerfungen in der norddeutschen Wirtschaft. "Im Mittelstand haben zwei Drittel der Unternehmen durch die Corona-Krise hohe Umsatzverluste erlitten und ein Drittel bereits Kurzarbeit angemeldet", sagte UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz der Deutschen Presse-Agentur. "Wir laufen in eine schwere Krise der kleinen und mittleren Unternehmen."

Die Hamburgische Bürgerschaft hatte unterdessen am Mittwochabend zur Eindämmung der Krise den Weg freigemacht für insgesamt 1,5 Milliarden Euro neue Schulden in den Jahren 2020 und 2021. Dazu stimmten die Abgeordneten einer vorübergehenden Aufhebung der Schuldenbremse wegen einer "außergewöhnlichen Notsituation" zu.

Sie stellten fest, dass die Pandemie eine Naturkatastrophe und die Beeinträchtigung der Wirtschaftsabläufe aufgrund der Krise eine außergewöhnliche Notsituation darstellen, die sich der Kontrolle Hamburgs entziehen und deren Finanzlage erheblich beeinträchtigen. Dem Beschluss zufolge sollen die Schulden beginnend 2025 innerhalb von 20 Jahren getilgt werden.

Wachholtz begrüßte die beschlossenen Hilfen für die Unternehmen, sie seien aber bei weitem nicht ausreichend. Der Staat müsse in letzter Instanz die Unternehmen mit direkten Zuschüssen unterstützen. "Das größte Problem ist die Liquidität", sagte Wachholtz. "Die Banken wollen helfen, kommen aber über die Vorgaben nicht hinweg."

Sollte es nicht gelingen, die Unternehmen mit ausreichend Liquidität zu versorgen, drohe Massenarbeitslosigkeit mit all ihren Folgen. "Es geht um das Überleben weiter Teile der Wirtschaft", betonte der Verbandspräsident.

Hamburg hat nach Senatsangaben bereits mit der Auszahlung der seit Montagnacht beantragbaren Soforthilfen für Selbstständige und kleine Unternehmen begonnen. Bis zum Mittwochmittag hatten sich bereits 40.900 Antragsteller für das Verfahren registriert. 25.500 Anträge seien im System, wovon 18.800 fertig übermittelt wurden. Die Behörden rechnen insgesamt mit mindestens 100.000 Anträgen.

Unterdessen stieg die Zahl der an Covid-19 erkrankten Hamburger seit Dienstag um 147 auf 2437. Das sind fast doppelt so viele Neuerkrankungen wie am Vortag mit 76 Fällen, entspricht aber in etwa dem Verlauf der vergangenen Tage. Insgesamt befinden sich nun nach Angaben der Gesundheitsbehörde 180 Covid-19-Kranke in einem Krankenhaus. Auf einer Intensivstation liegen 45.

Am Vortag waren 174 Covid-10-Kranke in einer Klinik, 40 auf einer Intensivstation. Die Behörde bestätigte unter Hinweis auf die Rechtsmedizin, dass zwei weitere Menschen im Zusammenhang mit der Lungenerkrankung gestorben seien. Damit gibt es in Hamburg bislang acht Todesopfer.

Quelle: DPA