Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Marktmanipulation

Wirecard: Ex-Chef Braun festgenommen - Entlassung aus Haft gegen Kaution möglich

23. Juni 2020 - 14:47 Uhr

Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen Wirecard

Die Staatsanwaltschaft München hat den zurückgetretenen Chef des skandalgeschüttelten Finanzdienstleisters Wirecard festgenommen. Markus Braun habe sich am Montagabend gestellt, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit: "Der Haftbefehl wurde durch die Ermittlungsrichterin gegen Auflagen, wie insbesondere die Zahlung einer Kaution von 5 Millionen Euro und einer wöchentlichen Meldung bei der Polizei außer Vollzug gesetzt." Der Beschuldigte werde entlassen, sobald die Sicherheitsleistung hinterlegt wurde, so die Staatsanwaltschaft München.

Es geht um 1,9 Milliarden Euro

Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Marktmanipulation. Braun wird vorgeworfen, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen der Wirecard AG durch vorgetäuschte Einnahmen aus Geschäften mit sog. Third-Party-Acquirern (TPA) aufgebläht zu haben. Auf diese Weise soll versucht worden sein, das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen. Es geht um 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten gelegen haben sollen.

Die Firma hatte ihren Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben und mit dem möglichen Betrugsfall die Börse schockiert. Der umstrittene Vorstandschef Markus Braun musste bereits seinen Posten räumen, die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit von Wirecard auf "Ramsch" herab.

Am Freitag hatten die philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands mitgeteilt, dass der deutsche Dax-Konzern kein Klient bei ihnen sei. Dokumente externer Prüfer, die das Gegenteil besagten, seien gefälscht. Auf den Konten der beiden Banken hätte die Summe in Höhe von 1,9 Millionen Euro eigentlich liegen sollen. Am Sonntag hat auch die Zentralbank in Manila mitgeteilt, dass die fehlenden Milliarden wohl nicht auf den Philippinen sind.