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Wird die Grundsteuer jetzt für alle teurer?

Egal ob Mieter oder Eigenheimbesitzer

Wird die Grundsteuer jetzt für alle teurer?

Grundsteuer soll überall neu berechnet werden

Bund und Länder haben sich auf eine Reform der Grundsteuer geeinigt. Bei dem neuen Modell sollen die Grundstückswerte, das Alter der Gebäude und die durchschnittlichen Mietkosten zur Berechnung herangezogen werden. Das trifft alle, die eine Immobilie besitzen oder zur Miete wohnen. Denn für sie wird die Grundsteuer steigen, meint Steueranwalt Klaus Höchstetter. Im Video erklärt er, was auf Mieter und Eigenheimbesitzer zukommt.

Besonders in Städten könnten die Kosten explodieren

Bisher war es so, dass die Grundsteuer nach den Grundstückswerten von 1963, in den neuen Bundesländern sogar an denen von 1935 orientierte. Das ist verfassungswidrig, darum musste die Politik jetzt ran. "Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass unter dem Aspekt des Gleichheitsgrundsatzes, eben dort wo Grundstücke und Immobilien mehr wert sind, mehr Grundsteuer zu zahlen ist, als in den Gegenden, wo die Werte geringer sind", erklärt der Anwalt im RTL-Interview.

Konkret bedeutet das: Gerade in Städten und Ballungsräumen, wo die Mieten ohnehin schon teuer sind, wird die Grundsteuer besonders stark steigen und damit auch die Mieten. Denn die Vermieter können die zusätzlichen Kosten einfach auf ihre Mieter umlegen. Aber auch in ländlichen Gebieten wird die Grundsteuer steigen, meint Höchstetter, nur eben nicht ganz so stark, wie in den Städten. Der Anwalt rechnet ebenfalls damit, dass die Kosten im Süden Deutschlands tendenziell höher sein werden als im Norden.

Bis Ende des Jahres muss die Reform umgesetzt werden

Grundsteuer-Reform
Die Grundsteuer soll überall in Deutschland neu berechnet werden.
obe pzi htf wst gfh, dpa, Oliver Berg

Auch Eigenheimbesitzer sollen die neue Grundsteuer zahlen. Wie genau die berechnet wird, ist noch unklar. Geplant ist, eine sogenannte "fiktive Miete" heranzuziehen. Um die zu berechnen könnten sich die Steuerbehörden Wert, Alter, Größe und Ausstattung des Gebäudes anschauen, glaubt Höchstetter.

Bisher haben sich Bund und Länder aber nur auf grobe Eckdaten geeinigt. "Die Inhalte sind noch völlig unklar", so der Steuerexperte. Bis Ende des Jahres muss eine Reform her. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hält die neuen Pläne für eine "gute Lösung". Neue Lasten und zu viel Bürokratie sollen vermieden werden. Höchstetter geht aber davon aus, dass es noch dauern könnte, bis ein richtiges Konzept steht. "Wenn von einem Durchbruch gesprochen wird, dann ist das Humbug. Es ist ein politisches Chaos", meint der Anwalt.