Wird das Sparpaket zum erhofften Rettungsanker?

10. Februar 2016 - 13:39 Uhr

Wird Griechenland sich 'kaputtsparen'?

Athen braucht die milliardenschweren Hilfen, um den Staatsbankrott noch abzuwenden. Doch was bringt die internationale Unterstützung dem hoch verschuldeten Euroland überhaupt?

Viele Experten blicken allen Anstrengungen zum Trotz düster in die Zukunft. Sie bezweifeln, dass das neue Geld ausreicht, um die Finanzlücken dauerhaft zu schließen. Außerdem wird es im April voraussichtlich zu Neuwahlen in kommen. Was die Zusagen der jetzigen Regierungsparteien, sich an die Auflagen der Geldgeber zu halten, dann noch wert sind, kann derzeit niemand einschätzen.

Was bringen die neuen Finanzhilfen überhaupt? Die am Boden liegende Wirtschaft des Landes dürfte dadurch nicht unmittelbar wieder auf die Beine kommen. Die Hilfen versetzen Griechenland zunächst vor allem in die Lage, die Schulden weiter zu bezahlen und die maroden Banken zu stützen. Doch ohne Wachstumsperspektive sind alle Sparanstrengungen aussichtslos. Private Investoren sind aufgrund der extrem hohen Unsicherheit derzeit nicht bereit, sich dort zu engagieren. Was ist bislang schiefgelaufen?

Die 'Troika' aus Experten von Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) hat bei ihrem Sanierungsplan vor allem darauf gesetzt, die Ausgaben Griechenlands zu kürzen. Zudem wurde die Reformbereitschaft des Landes offensichtlich überschätzt. So sollen verabredete Maßnahmen nicht umgesetzt und Erlöse beispielsweise bei Privatisierungen willkürlich kalkuliert worden sein. Viele Griechen wiederum klagen, unter externem Zwang kaputtgespart zu werden.

Es wird leicht übersehen, dass Griechenland bereits eine beachtliche Sparleistung erbracht hat. Dass diese Bemühungen in der Gesamtbetrachtung verpufften, liegt an der miserablen Wachstumsentwicklung. Deshalb fordern zahlreiche Experten eine Art 'Marshallplan' nach dem Vorbild des deutschen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch statt einen Kurswechsel zu vollziehen, wird voraussichtlich mit dem zweiten Hilfspaket weiter auf drastische Sparmaßnahmen gesetzt. "Die Griechen kommen so auf keinen grünen Zweig. Sie sparen sich tot", warnt etwa Bankenexperte Wolfgang Gerke.

Griechenland außerhalb der Eurozone – 'Ärmer als Albanien'?

Das Hauptargument für einen Ausstieg des Landes aus der Eurozone ist die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit über die Abwertung einer eigenen Währung wiederherzustellen. Würde das Land - so technisch überhaupt möglich - die Drachme wieder einführen, würde sie gegenüber dem Euro drastisch an Wert verlieren und so die Exporte des Landes im Ausland verbilligen. Auch Urlauber könnten mit Euros wesentlich günstiger in Griechenland einkaufen und so die griechische Wirtschaft wieder ankurbeln.

Griechenlands Importe würden sich im Gegenzug extrem verteuern - und das Land führt deutlich mehr Waren ein als es exportiert. Zudem müssten die Schulden trotzdem in Euro abgezahlt werden und sie würden durch eine Währungsumstellung exorbitant steigen. Ein Ausstieg müsste deshalb mit einem noch radikaleren Schuldenschnitt einhergehen.

Klaus Kaldemorgen, Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS, warnte bereits im Januar: "Wenn Griechenland zur Drachme zurückkehrt, wird statt VW wieder Eselskarren gefahren". Das Land würde ärmer als Albanien - das müsse man den Griechen klipp und klar sagen.