Aufregung um (Vor-)Drängler

Wirbel um Corona-Impfung: In privatem Pflegeheim auch (jüngere) Externe geimpft

Symbolfoto Impfstoff
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19. Januar 2021 - 12:35 Uhr

Vorteil für Reiche, Promis und Politiker?

Große Empörung in Österreich: Medien berichten vermehrt über Menschen, die eine Corona-Impfung erhalten haben, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. Über die Vordrängler ärgern sich viele im Land.

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Werden Promis und Reiche bevorzugt?

Wirbel um Corona-Impfung: In privatem Pflegeheim auch (jüngere) Externe geimpft
Coronavirus - Impfung
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve tba

Laut österreichischer Impfstrategie sollen – ähnlich wie in Deutschland – zunächst Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie Gesundheitspersonal geimpft werden. In der Phase II sind dann Personen über 65 außerhalb der Pflegeheime an der Reihe und sogenannte systemrelevante Personen, wie zum Beispiel Lehrer und Polizeibeamte. Ab April soll dann die Allgemeinbevölkerung geimpft werden. Diese Strategie geht manchen anscheinend nicht schnell genug. Oder wie es der Chef der Klagenfurter NEOS-Partei Janos Juvan gegenüber heute.at formuliert: "Die Art des Impfmanagements öffnet dem Schwarzmarkt Tür und Tor."

Juvan bezieht sich dabei auf Berichte, dass Prominente und Reiche unter anderem in seinem Bundesland Kärnten bei der Impfung bevorzugt werden. Der Verdacht: Ärzte stufen diese gegen Spenden oder Geschenke als Hochrisikopatienten ein. Damit fallen sie in die Phase I der Impfstrategie, wären also bereits jetzt zur Impfung berechtigt.

Legale Schlupflöcher?

In anderen österreichischen Gemeinden sollen sich sogar Politiker vorgedrängelt haben. Für diese Berufsgruppe ist eine Impfung erst in Phase II vorgesehen. Prominenter Fall ist der Bürgermeister von Feldkirch/Vorarlberg Wolfgang Matt. Er ließ sich am Wochenende in einem Seniorenheim gegen das Corona-Virus impfen. Die Impfärztin hatte ihm zunächst die Impfung verweigert. Der 65jährige bestand jedoch darauf mit der Begründung, dass er häufig Alten- und Pflegeheime besuchen müsse, berichtet ORF Vorarlberg.

Aktuell wird ein Fall in einem Pflegeheim in Florisdorf diskutiert: Hier soll unter anderem der Ehemann der Direktorin geimpft worden sein, wie die Kronen-Zeitung berichtet. Begründung für die Bevorzugung von Externen: Wegen Krankheitsfällen bei Bewohnern und Personal des Heims waren 13 Spritzen übrig geblieben. Diese müssten innerhalb von zwei Stunden verimpft werden, ansonsten verdirbt der Impfstoff.

So wurden die übrig gebliebenen Dosen "spontan" verabreicht: ein Zivildienstleistender, Nonnen aus dem Kloster nebenan sowie Ehepartner von Angestellten wie eben der Pflegeleiterin erhielten die übrig gebliebenen Impfdosen.

Dieses Vorgehen sei zwar legal, zitiert die Kronen-Zeitung Andreas Huber vom Medizinischen Krisenstab der Stadt Wien. Er meint: "Oberstes Prinzip ist, dass kein Impfstoff vergeudet wird. Dabei zählt die Schnelligkeit".

Hinterlässt aber moralisch kein gutes Gefühl. Denn: Beim Thema Impfen ist gerade Vertrauen sehr wichtig. Vertrauen auch in die Gerechtigkeit bei der Verteilung des Impfstoffs.