Ein Kommentar zum Umgang mit AstraZeneca

Wir zerstören ohne Not Vertrauen!

Unser Autor Gerrit Obermann hat eine klare Meinung zum Umgang mit AstraZeneca.
© RTL

27. Januar 2021 - 16:25 Uhr

von Gerrit Obermann

Am Freitag soll der neue britisch-schwedische Impfstoff zugelassen werden. Doch dann die Bomben-Meldung, unter anderem der "Bild"-Zeitung: AstraZeneca habe nur eine Wirksamkeit von 8 Prozent (!) bei über 65-Jährigen. Darum sollen damit erstmal Jüngere geimpft werden. Zumindest soll Gesundheitsminister Spahn als Reaktion auf die Schlagzeilen eine frühere Impfung der jüngeren Bevölkerungsgruppen erwägen.

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Plötzlich weiß niemand mehr, woher die Zahl stammt

NUR: Plötzlich weiß niemand mehr, wie diese verheerende Zahl von 8 Prozent auf den (Nachrichten-)Markt gekommen ist! Aus den Unterlagen von AstraZeneca geht sie nicht hervor. Das Unternehmen dementierte sofort.

Aber die Schlagzeile passte gut in das bisherige Bild vom "Impf-Desaster" und vom "Impf-Chaos" und wurde erstmal munter weiterdiskutiert. DAS ist das eigentliche Desaster.

AstraZeneca selbst spricht von einer Wirksamkeit von 62 Prozent (bei 18- bis 55-Jährigen), die man durch einen Trick aber auf 90 Pozent anheben könne: Wenn man bei der ersten Dosis etwas weniger Impfstoff und erst bei der zweiten Injektion die volle Dosis verwenden würde. Das wäre toll, nur: die Wortwahl "Trick" ist bei so etwas vertrauensabhängigem wie dem Impfen aktuell vielleicht auch nicht zuträglich.

Jeder Tag zählt!

Wichtig ist nun der Einsatz - auch von AstraZeneca – aus Sicht der Gesamtbevölkerung: Je mehr insgesamt geschützt sind, desto schneller dämmen wir die Pandemie ein. Und bei den täglichen hohen Todeszahlen zählt jeder Tag, um durch Impfungen bei möglichst vielen den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Wir werden uns nicht aussuchen können, welchen Impfstoff wir bekommen.

Jetzt schon wegen einer unbelegten Prozent-Diskussion ganz auf eine Impfung verzichten zu wollen, wäre die ganz falsche Entscheidung.

Auch die Medien (und somit auch wir) könnten die Daten und Begründungen der EU-Zulassungsstelle (EMA) zumindest bis Freitag abwarten, bevor wir über AstraZeneca richten. Wenn der Impfstoff aber zugelassen wird, darf es auch gerne wieder schnell gehen.