Langes Warten auf Corona-Rückholaktion

Gestrandet in Kambodscha: Deutsche Touristen wollen wieder nach Hause

27. März 2020 - 15:26 Uhr

Corona-Krise sorgt für unfreiwillig verlängerten Urlaub

Grenzen dicht, Flüge gestrichen: Weiterhin sitzen Hunderte deutsche Touristen im Ausland fest. In Rückholaktionen wurden viele von ihnen zurück nach Deutschland gebracht – allerdings nicht alle. Monika Kütt und ihre Tochter Jasmin sitzen in Kambodscha fest und versuchen seit Tagen verzweifelt zurück nach Deutschland zu kommen. Mit anderen Urlaubern haben sie eine gemeinsame Aktion gestartet - wir zeigen ihre Botschaft im Video.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Rückflug ersatzlos gestrichen

Monika Kütt war gemeinsam mit ihrer Tochter Jasmin nach Kambodscha geflogen, um ihren dort lebenden Sohn Alexander zu besuchen.
Monika Kütt war gemeinsam mit ihrer Tochter Jasmin nach Kambodscha geflogen, um ihren dort lebenden Sohn Alexander zu besuchen.
© Privat

Monika Kütt versucht seit Tagen die Nerven zu behalten. Sie war gemeinsam mit ihrer Tochter Jasmin nach Kambodscha geflogen, um ihren dort lebenden Sohn Alexander zu besuchen. Zum Zeitpunkt des Reiseantritts bestand noch keine Reisewarnung für das Land. Deswegen setzen sich Mutter und Tochter in das Flugzeug und verbringen ein paar erste entspannte Tage in Asien. Während ihres Aufenthalts in Kambodscha erfahren die beiden Frauen dann aber, dass ihr Rückflug gestrichen wird. Ihre Versuche, mit einem anderen Flieger zurück nach Deutschland zu kommen, laufen ins Leere.

Sorgen um Geld und den Arbeitsplatz

"Sorgen bereiten uns vor allem die Kosten, die auf uns zu kommen können, durch eventuelle Neubuchungen, weil wir nicht an den Veranstalter rankommen", beschreibt Monika Kütt ihre Lage. Man könne noch alternative Flüge buchen, die seien für die Familie aber nicht bezahlbar, wie Tochter Jasmin erzählt: "Es gibt nur noch Flüge mit mehreren Zwischenstopps und die Preise hier starten erst bei 2.000 bis 3.000 Euro. Geld, was nicht jeder einfach mal so in der Tasche hat." Außerdem sorgen sich die beiden Frauen um ihre Jobs: "Wir haben beide Arbeitsplätze und wissen nicht, wie lange unsere Arbeitgeber noch so kulant sind."

Video: "Wir wollen Heim"

Über die sozialen Medien hat sich Familie Kütt mit über 180 deutschen Urlaubern, die ebenfalls in Kambodscha gestrandet sind, vernetzt. In einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe halten sie sich auf dem Laufenden. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, erstellt die Gruppe gemeinsam ein Video. Ihre Botschaft "Wir wollen Heim."

Mit ihrem Wunsch ist die Gruppe aus Kambodscha nicht allein. Die Bundesregierung hat gemeinsam mit Reiseveranstaltern und der Lufthansa inzwischen mehr als 150.000 gestrandete Deutsche zurückgeholt. Trotzdem sitzen weiterhin Hunderte Touristen im Ausland fest, kommen gegenüber ihrem Arbeitgeber in Erklärungsnot oder müssen Wucherpreise für Hotels und Flüge bezahlen.

Wann beginnt eine Rückholaktion aus Kambodscha?

Bisher wurden vor allem Urlauber aus klassischen Urlaubsregionen wie den Kanarischen Inseln zurückgeholt. Kambodscha befindet sich aktuell nicht auf der Liste der Rückholaktionen des Auswärtigen Amtes. Außenminister Heiko Maas kündigte aber an, dass nach den Gebieten mit den meisten deutschen Urlaubern, in den kommenden Tagen insbesondere abgelegenere Gebiete angeflogen werden sollen.

Die deutsche Botschaft in Kambodscha veröffentlichte am Donnerstag ein Schreiben, das sich an alle gestrandeten Touristen richtet. Dort heißt es: "Um eine mögliche Rückholaktion vernünftig planen zu können, benötigen wir einen Überblick, wie viele deutsche Reisende gestrandet sind und unsere Hilfe benötigen." Dazu sollen sich Reisende über die Internetseite www.rueckholprogramm.de registrieren. Außerdem bat die Botschaft darum, dass Rückreisewillige "bitte nicht zur Botschaft kommen, solange es sich nicht um einen Notfall handelt." Zuvor sollen vereinzelt Touristen vor der Botschaft protestiert und um Hilfe gebeten haben, erzählt Familie Kütt.

Familie Kütt hofft weiterhin auf Unterstützung

Wann und wie Familie Kütt zurück nach Deutschland kommt, ist weiterhin unklar. Sie möchten jeden Tag aufs Neue versuchen, einen Rückflug zu ergattern und setzen weiter auf die Unterstützung des Auswärtigen Amtes: "Wir hoffen einfach, dass es bald ein Rückholprogramm für alle in Kambodscha gestrandeten Deutschen gibt", meint Tochter Jasmin. Für den Moment wären sie aber auch schon froh über eine erste, verbindliche Auskunft von offizieller Seite: "Viele hier warten immer noch auf Antworten: Wie geht es weiter und wann kommen wir endlich nach Hause."

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".