Nach Fleischsteuer-Forderung

Bio-Landwirt klagt: "Wir sind die wahren Verlierer"

9. August 2019 - 13:22 Uhr

Sind Bio-Bauern die Verlierer der Fleischsteuer?

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, hatte sich in der "Welt" dafür ausgesprochen, die Steuer auf Fleisch von 7 auf 19 Prozent anzuheben – die SPD begrüßte seine Initiative. Seitdem diskutiert Deutschland über eine mögliche Fleischsteuer. Doch durch die zusätzliche Abgabe würde auch Fleisch von den Tieren teurer, die schon unter besseren Bedingungen leben. Genau da liegt für Bio-Bauer Johannes Bluschke das Problem, wir es uns im Video-Interview schildert.

Je teurer das Fleisch, desto höher der Aufschlag

Der Preis 700 Gramm für gewöhnliche Schweinekoteletts würde durch die Fleischsteuer um 43 Cent steigen, rechnet der Bio-Landwirt vor. 700 Gramm Bio-Koteletts würden 94 Cent teurer. Das könnte ihm und vielen Kollegen das Genick brechen. 

Ausgerechnet beim Billigfleisch würde der mögliche Aufschlag geringer als bei teureren Bio-Produkten ausfallen - obwohl diese schon jetzt für mehr Tier- und Umweltschutz stehen. Mögliche Konsequenz: Noch mehr Konsumenten könnten an der Fleischtheke zur Massenware statt zur Bio-Ware greifen.

​Mit den Mehreinnahmen durch die Fleischsteuer könnte ein Umbau der Ställe finanziert werden. Die Bauern, die ihre Tiere schon jetzt unter besseren Bedingungen halten, hätten das Nachsehen. Sie könnten dem Preisdruck nicht mehr Stand halten, fürchten viele Bio-Bauern. 

Mehr Tierwohl als Ziel

Der CDU-Agrarpolitiker Albert Stegemann zeigte sich offen für den Vorstoß des Tierschutzbundes nach einer Fleischsteuer. "Eine solche Steuer kann ein konstruktiver Vorschlag sein. Dafür müssten diese Mehreinnahmen aber zwingend als Tierwohlprämie genutzt werden, um die Tierhalter in Deutschland beim Umbau zu unterstützen." Der Weg zu einer gesellschaftlich nachhaltig akzeptierten Nutztierhaltung koste Milliarden Euro, die die Landwirte in Deutschland nicht alleine tragen könnten.