Winterchaos wohin man schaut

An manchen Flughäfen ist das Enteisungsmittel ausgegangen.
An manchen Flughäfen ist das Enteisungsmittel ausgegangen.
© dpa, Marius Becker

09. Februar 2016 - 11:30 Uhr

Ist Deutschland schlecht vorbereitet?

Schnee und Eis legen ganz Deutschland lahm. Tausende Reisende sitzen auf den Flughäfen fest. In der Nacht standen Autofahrer wieder stundenlang in über zwanzig Kilometer langen Staus und die Verspätungen bei der Bahn gehen in die Stunden.

Doch wieso bricht jedes Mal das Chaos aus, wenn es bei uns wieder schneit und eisig wird? Denn der Winter ist zwar außergewöhnlich, aber alles andere als überraschend gekommen. Sind wir zu schlecht vorbereitet?

An den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld ist bis zum Mittag mit bis zu 35 Flugstreichungen zu rechnen, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft. Allein am Airport Frankfurt waren am gestrigen Tag 484 der insgesamt 1.429 geplanten Flugbewegungen annulliert worden. In der Nacht war der Flughafen sogar für vier Stunden geschlossen. Mehr als 2000 Passagiere verbrachten die Nacht in den Terminals auf Feldbetten. Knapp 900 strandeten nach Umleitungen auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen, etwa 700 in München.

Der Grund: Das Enteisungsmittel war ausgegangen - und das nicht nur in Frankfurt. Bei Clariant, einem der wenigen Hersteller der Spezialchemikalien, läuft die Produktion mittlerweile rund um die Uhr. "Es gibt derzeit Engpässe", sagte Sprecher Ulrich Nies. Das Problem bestehe nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.

Der Winter bleibt

Und auch wer auf die Bahn setzte war verloren: Die Strecke Nürnberg-Leipzig wurde zeitweise komplett gesperrt, nachdem in Thüringen Bäume auf die Oberleitung zu stürzen drohten. Bundesweit gab es etliche Verspätungen, weil die Hochgeschwindigkeitszüge auf maximal 200 Stundenkilometer gedrosselt wurden. So sollte verhindert werden, dass von der Wagenunterseite fallende Eisklumpen Schotter aufwirbeln und die Züge beschädigen. Und neben langsamen Zügen machten auch eingefrorene Weichen zusätzliche Probleme.

In Bayern sorgten die eisglatten Straßen für etliche Autounfälle. Eine 17-jährige Beifahrerin kam nach einem Autounfall bei Berching in der Oberpfalz ums Leben, als der Wagen, in dem sie saß, gegen einen Lastwagen prallte. Der 21-jährige Fahrer wurde dabei schwer verletzt. Zudem blieben vielerorts Lastwagen stehen und Straßen waren kurzzeitig gesperrt.

In Baden-Württemberg starben zwei Menschen bei einem Autounfall. Ihr Wagen kam bei Heidenheim auf einer schneeglatten Straße ins Rutschen, schleuderte auf eine Leitplanke und rutschte schließlich in einen Fluss. Der 23-jährige Fahrer und die 20-jährige Beifahrerin konnten nur noch tot geborgen werden.

Daneben sorgten Mischungen aus Schneefall und Regen der vergangenen Tage für Hochwasser. In Karlsruhe musste am Pegel Maxau die Schifffahrt eingestellt werden. Uferstraßen waren überschwemmt.

Und auch in den kommenden Tagen lässt der Winter nicht locker. Am Samstag erwarten Meteorologen vor allem an den Nordhängen der Mittelgebirge beträchtliche Schneeverwehungen. Am Sonntag wird es wieder kälter, oberhalb von 300 Metern fällt Schnee. Und am Montag ist es dann überall wieder frostig.