Winter wütet in den USA - gefühlte Temperaturen von minus 50 Grad

08. Januar 2014 - 8:51 Uhr

'Windchill' von minus 51,7 Grad Celsius in Montana

Rund 140 Millionen Menschen in den USA wappnen sich für die kältesten Temperaturen seit 20 Jahren. In den Neuengland-Staaten und Teilen des Mittleren Westens werden laut Nationalem Wetterdienst gefühlte Temperaturen von minus 50 Grad Celsius erwartet. Im Bundesstaat Montana wurde ein 'Windchill', also eine durch den Wind verstärkte Kälte, von minus 51,7 Grad Celsius gemessen, teilte der Nationale Wetterdienst der USA auf Twitter mit.

USA. Kälte, Winter
In den USA sind 140 Millionen Menschen vom Schneesturm betroffen. Der Winter hält den gesamten Osten fest im Griff.
© dpa, Andrew Gombert

Auf dem Kennedy-Flughafen in New York schlitterte gestern ein Flugzeug in einen Schneehaufen. Die 35 Passagiere an Bord blieben unverletzt. Die Maschine aus Toronto setzte laut 'New York Times' zwar erst sicher auf der Landebahn auf, rutschte dann aber auf dem Weg zum Terminal in den Schnee. Der Unfall zog stundenlange Verzögerungen nach sich, Hilfskräfte mussten erneut Sand und Salz auf die Bahnen streuen.

Der sogenannte 'Windchill', die durch den Wind verstärkte Kälte, könne nach nur zehn Minuten Frostbeulen verursachen, warnten TV-Sender. Laut CNN hat der sibirische Wintereinbruch bereits 16 Tote gefordert.

Elf von ihnen starben bei Verkehrsunfällen, weil glatte Straßen Autofahrten zu gefährlichen Rutschpartien machten. Im US-Staat Wisconsin erlag ein Mann einer Unterkühlung. In Bundesstaat New York verschwand eine 71 Jahre alte, an Alzheimer erkrankte Frau aus ihrem Zuhause. Rund 90 Meter von ihrem Haus entfernt wurde sie tot aufgefunden, berichtete CNN. New York und New Jersey haben den Notstand ausgerufen. Dort war bis zu 60 Zentimeter Schnee gefallen. Der Verkehr ist zusammengebrochen.

Obdachlose suchten in Notunterkünften Schutz

Die Rekordwerte veranlassten Minnesotas Gouverneur Mark Dayton zu dem seltenen Schritt, gleich im gesamten Bundesstaat für heute den Schulunterricht buchstäblich auf Eis zu legen. Das letzte Mal geschah das in einem Schneesturm im Jahr 1997. Die Sicherheit der Kinder sei oberste Priorität, sagte Dayton - obwohl einige Eltern Probleme hatten, so kurzfristig einen Ersatz zum Aufpassen zu finden. Bei den für heute in Minnesota vorhergesagten Tiefstwerten von minus 35 Grad Celsius wollte kaum jemand seine Kinder vor die Tür schicken.

Obdachlose suchten in Notunterkünften Schutz vor dem möglichen Kältetod. Die Stadt New York schickte mehr Mitarbeiter als sonst auf die Straßen, um den Menschen ohne Dach über dem Kopf Hilfe anzubieten. Sobald die Temperaturen in der Millionenmetropole unter den Gefrierpunkt fallen, kommen Obdachlose ohne das sonst übliche Aufnahmeverfahren in Notunterkünften und Hilfszentren unter.

Weil Flugzeuge auf den vereisten Pisten nicht starten oder landen konnten, saßen weiter Tausende in den USA an Flughäfen fest. Allein gestern mussten in Chicago mehr als 2.000 Flüge gestrichen werden.

Seit Donnerstag hatten teils heftige Schneefälle den Verkehr im Nordosten der USA bereits stark behindert. In Metropolen wie Boston, Washington und Philadelphia waren Räumdienste im Dauereinsatz. Allein in New York waren laut CNN 24.000 Räumfahrzeuge unterwegs.