Droht uns ein Bibber-Winter?

Arktisches Meereis wächst rasch und macht Kältewellen wahrscheinlicher

18. Oktober 2021 - 13:10 Uhr

RTL-Meteorologe Christian Häckl über die aktuelle Situation

Auf der Nordhalbkugel schalten die Wettersysteme jetzt langsam Richtung Winterzeit. Die Nächte werden immer länger und damit beginnt auch der Schnee- und Eispanzer der Arktis an Masse zuzulegen. Doch in diesem Jahr sind die Bedingungen anders, was sich wiederum auf unseren Winter 2021/2021 auswirken könnte. RTL-Meteorologe Christian Häckl schätzt die momentane Situation und mögliche Auswirkungen ein.

Oben im Video: Der Polarwirbel entscheidenden Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa.

Umstellung auf den Winterbetrieb: Was ist in diesem Jahr anders?

RTL-Meteorologe Häckl: "Viele Jahre kannten die Temperaturen in der Arktis nur eine Richtung – und zwar nach oben, oft auch ziemlich steil nach oben. Etwas verzögert reagierten dann auch die Wassertemperaturen im arktischen Sommer und Frühherbst, weil die Eisbedeckung des arktischen Ozeans in den vergangenen 20 Jahren dramatisch zurückgegangen ist."

Umso auffälliger sei jetzt aber das arktische Wetter der letzten Monate speziell auf der asiatischen Seite: "Bereits im Sommer hielt sich oft kalte Luft und sorgte für eine vergleichsweise geringe Schmelze, zum Tiefstwert im September war noch so viel Eis vorhanden, wie letztmalig 2014. In den vergangenen vier Wochen folgte dann eine sehr rasche Neuvereisung mit kaltem Wetter auch wieder speziell im Bereich zwischen der Ostsibirischen See und der Bering Straße (Chukchi-See)."

Was sind die Folgen dieser raschen Vereisung?

"Dadurch lagen die Wassertemperaturen am Stichtag 9. Oktober teilweise deutlich unter dem Mittel der letzten Jahre, in der Chukchi See sogar so tief wie seit 20 Jahren nicht mehr. Glaubt man den CFS-Prognosen, so soll das kalte Wetter in diesen Bereichen noch bis Jahreswechsel anhalten, während die kanadische Arktis vor allem im Grenzbereich zu Grönland deutlich zu warm bleibt."

Hintergrund-Info: Die genannte CFS-Prognose ist die experimentelle Langfristvorhersage des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA.

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RTL-Meteorologe Christian Häckl

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Christian Häckl
RTL-Meteorologe Christian Häckl
© TVNOW / Stefan Gregorowius

Welche Auswirkungen kann das auf unser Wetter in Deutschland und Europa haben?

"Will man über Auswirkungen auf unser Winterwetter spekulieren, so könnte diese Konstellation darauf hindeuten, dass wir möglicherweise auf eine frühen kalten Winterabschnitt zusteuern, während wie zweite Winterhälfte eher mild ausfallen könnte.", so der RTL-Meteorologe.

Unterstützt wird diese Einschätzung beispielsweise durch die längerfristigen Trends des Europäischen Wettermodells. Demnach könnte es nach den aktuellen Berechnungen ab dem ersten Dezemberdrittel einen nachhaltigen Wintereinbruch in Deutschland geben, der sich bis in den Januar 2022 halten könne. Eine spannende Entwicklung für alle Winterfreunde, die wir natürlich weiterhin im Auge behalten werden.

Winter-Vorhersage für Berlin

Die Graphik zeigt den 180-Tage-Wettertrend für Berlin. Demnach wäre ein früher und nachhaltiger Wintereinbruch im Dezember 2021 möglich.
180-Tage im Wettertrend: Aktuelle Berechnungen des Europäischen Wettermodells für Berlin (Stand 14.10.2021).
© wetter.de

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(bal)