Windpark in Nordsee: Hoher Dieselverbrauch, aber kein Strom

09. August 2013 - 20:39 Uhr

Eröffnung, aber keine Inbetriebnahme

Ohne Energie geht es nicht. Auch nach der Energiewende wird das so sein. Aber damit die Stromversorgung des Landes gesichert bleibt, müssen möglichst schnell alternative Energiequellen zur Verfügung stehen, wie Solarstationen, Wasserkraftwerke und Windparks, auf dem Lande und zu Wasser (Offshore Windparks).

Windpark mit Diesel
Sommer auf Borkum, im Hintergrund: Offshore-Windpark Riffgat.
© dpa, Joerg Sarbach

Am Samstag soll der Offshore-Windpark Riffgat vor der Küste Borkums offiziell in Betrieb genommen. Der Verbraucher wird davon nichts merken, aber das macht nichts, denn für ihn ist wichtig, dass der Strom weiter aus der Steckdose kommt.

Das Stromnetz wird davon allerdings auch nichts merken, da noch keine Netzanbindung des Windparks vorhanden ist. Also geht Riffgat am Samstag nicht wirklich in Betrieb, es wird lediglich der Bau abgeschlossen. Doch die Anbindung ans Stromnetz wird sich laut Betreiber EWE noch bis 2014 verzögern.

Das allein wäre ja kein Problem, müssten die 30 Windmühlen mit 108 Megawatt installierter Leistung nicht in Stand gehalten werden, bis sie das tun können, wofür sie gebaut worden sind. Und diese Instandhaltung hat mit Energiewende und 'sauberem Strom' nichts zu tun. Denn bis Riffgat seiner Aufgabe nachkommen und rund 120.000 Haushalte mit Strom versorgen kann, wird man pro Monat rund 22.000 Liter Diesel in Stromaggregaten verfeuern, um die Anlagen in Betrieb zu halten, zu kühlen und vor Rost zu schützen.

Weil fordert "ordnende Hand"

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist deswegen mächtig sauer und kritisierte das Planungs-Chaos beim Stromanschluss von Windparks auf dem Meer. Er forderte für die Netzanbindung eine eigene Gesellschaft mit Beteiligung des Bundes. "Es gibt keine aufeinander abgestimmte Gesamtplanung", sagte er. Notwendig sei eine "ordnende Hand". Für die Anbindung seien private Unternehmen zuständig, die durch Verträge eine gewisse Sicherheit haben. Wenn etwas schief gehe, müsse der Verbraucher zahlen.

In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk machte Weil für die Verzögerung den Übertragungsnetzbetreiber Tennet mitverantwortlich. Dessen Aussage, dass Munition auf dem Meeresboden die Inbetriebnahme des Windparks verzögere, sei mit "dicken Fragezeichen" zu versehen. Dass sie dort liege, stelle er nicht in Abrede. Er sei jedoch verwundert darüber, dass erst jetzt mit der Bergung der Altlast begonnen werde, wo es doch schon seit längerem bekannt war.

Tennet verwies dagegen auf unvorhersehbare Probleme bei der Munitionsbergung. Bei ersten Untersuchungen im Jahr 2008 hätten sich kaum auffällige Stellen mit Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, sagte eine Sprecherin. Bei späteren Suchaktionen wären dagegen deutlich mehr explosive Altlasten entdeckt worden. Die Bergung und Entschärfung sei extrem schwierig und langwierig, aber für die Sicherheit unverzichtbar. Zudem könnten Taucher in dem Seegebiet mit starken Strömungen nur begrenzt arbeiten.