Willliam-Kentridge-Ausstellung in Kapstadt

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24. August 2019 - 11:44 Uhr

Eine große Doppelausstellung in der südafrikanischen Metropole Kapstadt präsentiert das Werk des international renommierten südafrikanischen Künstlers William Kentridge.

Unter dem Titel "Why Should I Hesitate" (Warum sollte ich zögern?) sind Hunderte von Arbeiten aus vier Jahrzehnten seines Schaffens an in zwei Museen zu sehen: in der Norval Foundation und im Zeitz Museum für zeitgenössische Kunst (MOCAA) in Afrika, gegründet von dem Deutschen Jochen Zeitz, früherer Chef des Sportartikelherstellers Puma.

Die Ausstellung im Zeitz MOCAA konzentriert sich auf Zeichnungen, Animationen, Filme, Installationen und Drucke des 1955 in Johannesburg geborenen Künstlers, der fast ausschließlich in Schwarz-weiß produziert und sich entsprechend kleidet: Kentridge ist ausnahmslos in schwarzer Anzughose und weißem Hemd anzutreffen. Als Student habe er kurzzeitig Farbe in Betracht gezogen, sagt Kentridge. "Aber sie stand nie im Einklang", meint der 64-Jährige.

Zeichnungen sind das Fundament von Kentridges Oeuvre, der dafür bekannt ist, jeden Tag mindestens eine Stunde zu zeichnen. "Zeichnen ist für mich das Herz der Tätigkeit. Zeichnen heißt, mit dem Körper zu denken. Es ist die Bewegung, die den Gedanken anregt", sagte er bei einer Vorbesichtigung in Kapstadt.

Zeitgleich mit den Werken im Zeitz MOCAA gibt es erstmalig eine Ausstellung, die sich ausschließlich auf Kentridges Skulpturen konzentriert. In der Norval Foundation sind dreidimensionale Arbeiten der vergangenen 19 Jahre, die ihre Ursprünge in Requisiten seiner Operninszenierungen und in den Bildern seiner Animationen haben, zu sehen. Teil der Ausstellung sind Werke, die der Künstler explizit für diesen Anlass geschaffen hat: einschließlich eines überdimensionalen Kaffeepots und einer von Pablo Picasso inspirierten Katze.

Kentridge, mehrfacher Teilnehmer der Documenta in Kassel und der Biennale von Venedig, zählt zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart. Er ist für seine Zeichnungen, Filme, Theater- und Opernproduktionen bekannt. Seit den 90er Jahren wurden seine Arbeiten weltweit ausgestellt, unter anderem im Museum für moderne Kunst in New York, dem Louvre in Paris und der Whitechapel Gallery in London. Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmete ihm 2016 eine große Schau.

Die Werke Kentridges, der sich schon früh in der Anti-Apartheid-Bewegung engagierte, beschäftigen sich mit der südafrikanischen Geschichte und ihren sozialen Ungerechtigkeiten, thematisieren Flucht und Vertreibung auf dem afrikanischen Kontinent, aber auch das Thema Familie.

Die Doppelausstellung in Kapstadt, die bis zum 23. März 2020 dauert, verbildliche das "Gewicht der Geschichte", erklärt Kurator Azu Nwagbogu vom Zeitz MOCAA. "Es ist eine großangelegte, umfassende Ausstellung, die heute viel Bedeutung hat, jedoch kommt die Bedeutung von Dingen, die in der Vergangenheit passiert sind", so Nwagbogu. Beide Ausstellungen sollen von Gesprächen und Performances, auch mit Kentridge persönlich, begleitet werden.

Quelle: DPA