Wikileaks-Prozess: US-Soldat Manning gesteht Geheimnisverrat

© dpa, Michael Reynolds

22. August 2013 - 19:45 Uhr

Manning wollte "öffentliche Debatte" lostreten

Der US-Obergefreite Bradley Manning hat die Weitergabe Hunderttausender Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks zugegeben. Er habe damit eine "öffentliche Debatte" über die amerikanische Diplomatie und Verteidigungspolitik lostreten wollen, gestand der wegen Geheimnisverrats angeklagte 25-Jährige bei einer Anhörung vor dem Militärgericht in Fort Meade (Maryland).

"Ich glaubte, die Depeschen würden uns nicht schaden, aber sie würden peinlich sein", sagte Manning in einer langen Erklärung, um seine Beweggründe zu verdeutlichen. Dem ehemaligen Geheimdienst-Analysten der US-Armee wird vorgeworfen, während seiner Stationierung im Irak die Internet-Plattform Wikileaks mit 700.000 größtenteils geheimen Dokumenten versorgt zu haben. Die Anklage macht geltend, es gebe erdrückende Beweise, dass Manning "konstant, bewusst und methodisch" interne Dokumente aus regierungseigenen Computern gezogen und dann weitergegeben habe.

Manning hatte sich in zehn der 22 Anklagepunkte gegen ihn für schuldig bekannt. Dabei handelte es sich um die weniger schweren Vorwürfe. Auf die schwerste Anschuldigung etwa, "den Feind unterstützt" zu haben, ging er nicht ein.

Wikileaks hatte die Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie unzählige vertrauliche Diplomatendepeschen im Internet öffentlich gemacht. US-Medien sprechen vom schwersten Fall von Geheimnisverrat in der amerikanischen Geschichte.

25-Jährigem droht lebenslange Haftstrafe

Mit dem Teilgeständnis erhoffe er, einen Vergleich mit einer geringeren Haftstrafe erzielen zu können, meinten Beobachter im Gericht. Bisher droht Manning eine lebenslange Haftstrafe. Die Richterin kann das Schuldeingeständnis jedoch zurückweisen. Sollte es zu keinem Vergleich kommen, soll der eigentliche Prozess frühestens am 3. Juni beginnen.

Im Januar hatte der Soldat einen symbolischen Sieg vor Gericht errungen: Die Militärrichterin hatte bestätigt, dass seine ursprünglichen Haftbedingungen nicht korrekt waren. Sie erließ ihm 112 Tage einer zukünftigen Haftstrafe. Seine Verteidiger hatten allerdings gefordert, wegen der schlechten Behandlung die Anklage fallenzulassen.

Manning hatte nach seiner Verhaftung acht Monate bis April 2011 im Militärgefängnis von Quantico (Virginia) gesessen. Dort musste er nach eigenen Angaben bis zu 23 Stunden am Tag in Einzelhaft verbringen und nackt in seiner Zelle schlafen.