Wikileaks-Informant will als Frau leben: Aus Bradley wird Chelsea Manning

22. August 2013 - 19:45 Uhr

"Ich bin eine Frau"

Er hat gestanden, als im Irak stationierter Soldat 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben. Er wurde verurteilt, muss 35 Jahre in Haft verbringen. Doch damit nicht genug: Jetzt überrascht der Wikileaks-Informant Bradley Manning mit einem außergewöhnlichem Wunsch – er möchte künftig als Frau leben.

Manning zeigte sich auf Bilder als Frau
Mit Perücke und Lippenstift: Der verurteilte Wikileaks-Informant Bradley Manning ist wie eine Frau gekleidet. Dieses und andere Bilder wurden dem Gericht vorgelegt.
© Reuters, HANDOUT

Das ließ der 25-Jährige über seinen Anwalt David Coombs im TV-Sender NBC mitteilen. "Jetzt, da ich in diese nächste Phase meines Lebens eintrete, möchte ich, dass jeder mein richtiges Ich kennt. Ich bin eine Frau", las Coombs aus einem Brief vor, der mit Chelsea Manning unterschrieben ist.

Manning möchte künftig von allen mit diesem weiblichen Vornamen angesprochen werden. Nur Post für ihn ans Gefängnis solle wie bisher adressiert werden. Er habe sich seit seiner Kindheit so gefühlt und wolle so schnell wie möglich mit einer Hormontherapie beginnen.

Ungeachtet dessen muss Manning nach der Verkündung des Strafmaßes nun seine Haftstrafe antreten. Unklar war zunächst aber, ob er wie geplant in dem für harten Drill bekannten Militärgefängnis Fort Leavenworth im US-Staat Kansas untergebracht wird.

Bilder von Manning als Frau aufgetaucht

Manning hatte bereits während des Militärprozesses mehrfach seine Transsexualität zum Thema gemacht. Er fühlt sich nach eigenen Worten als Frau, gefangen in einem Männerkörper. Unter anderem waren dem Gericht Fotos vorgelegt worden, auf denen Manning mit blonder Perücke und Lippenstift zu sehen ist.

Im Prozess um den größten Geheimnisverrat in der Geschichte der USA war er bereits Ende Juli in mehr als 20 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden, darunter Spionage, Diebstahl und Computerbetrug.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und das Bradley-Manning-Unterstützungsnetzwerk haben eine Petition vorbereitet, in der sie US-Präsident Barack Obama um eine Begnadigung Mannings bitten wollen. Das Urteil gegen Manning ist das härteste, das in den USA jemals wegen der Weitergabe geheimer Informationen an die Medien verhängt wurde. Mit guter Führung und unter Anrechnung seiner bereits abgeleisteten Haft könnte der 25-Jährige aber möglicherweise schon in sieben Jahren freikommen, sagte Coombs.