Wikileaks-Informant Bradley Manning: "Ich dachte, ich werde in diesem Käfig sterben"

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22. August 2013 - 19:45 Uhr

"Ich dachte, ich werde in diesem Käfig sterben"

Der Mann, der für den größten Geheimnisverrat in der US-Geschichte verantwortlich sein soll, hat sich jetzt erstmals seit seiner Festnahme in der Öffentlichkeit äußern dürfen. Mit zitternder Stimme sprach Bradley Manning vor dem Militärgericht in Fort Meade (US-Staat Maryland) von unmenschlichen Haftbedingungen nach seiner Festnahme im Mai 2010, die ihn fast in den Selbstmord getrieben hätten.

Bei der ersten Anhörung des 24-Jährigen ging es nicht um die Vorwürfe, sondern ausschließlich um seine bisherige Zeit in Untersuchungshaft. Manning war im Irak festgenommen und zunächst rund zwei Monate in Kuwait festgehalten worden. Danach verbrachte er neun Monate in Einzelhaft in einem Militärgefängnis in Quantico (US-Staat Virginia), bevor er schließlich unter etwas gelockerten Haftbedingungen in ein Gefängnis in Kansas verlegt wurde.

Laut dem US-Sender CNN hat Manning bereits in Kuwait mehrfach an Selbstmord gedacht. "Meine Welt schrumpfte zu diesem Käfig zusammen. Ich dachte, ich werde in diesem Käfig sterben", sagte der Obergefreite der US-Armee. Besonders beklagte er sich aber über die Haftbedingungen in Quantico, wo er wegen Selbstmordgefahr anfangs ständig unter Beobachtung stand. Er sei 21 Stunden, manchmal bis zu 23 Stunden ohne jede Gesellschaft gewesen, zitierte CNN Manning.

Anfangs habe man ihm seine Brille weggenommen, ohne die er nicht sehen könne, und wenn er geschlafen habe, dann immer mit Licht außen vom Flur in seinen Augen. Um Toilettenpapier habe er jedes Mal bitten müssen und nachts durfte er keine Unterwäsche tragen. So habe Mannings Leben von Juli 2010 bis April 2011 in Haft ausgesehen. Erst mit seiner Verlegung in das Gefängnis von Fort Leavenworth (US-Bundesstaat Kansas) attestierte man ihm nicht selbstmordgefährdet zu sein, so dass ihm die normalen Haftbedingungen zugestanden wurden.

Schuldgeständnis könnte Manning vor lebenslanger Haft bewahren

Auf diesen Haftbedingungen basiert jetzt die Strategie von Mannings Verteidigung. Diese argumentiert, dass er in der Untersuchungshaft über lange Strecken so schlecht behandelt worden sei, dass dies allein schon eine ausreichende Strafe sei oder zumindest eine Strafmilderung rechtfertige. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten ist für das Frühjahr 2013 geplant.

Manning wird vorgeworfen, während seiner Stationierung im Irak die Internet-Plattform Wikileaks mit tausenden geheimen Dokumenten versorgt zu haben. Wikileaks hatte die Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie unzählige vertrauliche Diplomatendepeschen im Internet öffentlich gemacht.

Insgesamt ist Manning in 22 Punkten angeklagt. Am schwersten wiegt der Vorwurf, mit den Enthüllungen dem Feind geholfen zu haben - das allein könnte ihn lebenslang hinter Gitter bringen. Medienberichten zufolge hat sich Manning bereiterklärt, sich in weniger schwerwiegenden Anklagepunkten schuldig zu bekennen. Das könnte nach Ansicht von Rechtsexperten seine Chance erhöhen, vergleichsweise glimpflich davonzukommen. Um wegen Unterstützung des Feindes verurteilt zu werden, müsse die Anklage vorsätzliches Handeln nachweisen - was schwierig sei.

Nach Angaben der 'Washington Post' stimmte die zuständige Richterin den Bedingungen zu, unter denen sich Manning teilweise schuldig bekennen könnte. Aber das sei noch keine Entscheidung darüber, ob das Gericht das Schuldbekenntnis an sich akzeptieren werde und die Anklage bereit sei, die restlichen Anklagepunkte fallen zu lassen.