Wikileaks enthüllt: US-Diplomaten als Boeing-Händler

© dpa, Fredrik Von Erichsen

3. Januar 2011 - 22:20 Uhr

Bizarre Tauschgeschäfte

Beamtendreistigkeit der ganz besonderen Art: Wikileaks-Depeschen zeigen, wie US-Diplomaten auf der ganzen Welt kräftig mithelfen, Boeing-Flugzeuge loszuschlagen. Leidtragender ist der europäische Konkurrent Airbus.

Mit Vergünstigungen werden Staatsoberhäupter oder auch Topmanager von Fluggesellschaften dazu bewogen, sich für das amerikanische Produkt und nicht für den Konkurrenten Airbus zu entscheiden, wie die 'New York Times' berichtet.

Demnach gibt es hinter den Kulissen einen wahren "internationalen Bazar". Ausländische Führungspersönlichkeiten äußerten besondere und zuweilen bizarre Wünsche, die ihnen dann auch oft erfüllt würden - im Gegenzug zum Kauf von Boeing-Maschinen im Wert von Milliarden Dollar. So habe etwa König Abdullah von Saudi-Arabien darum ersucht, seinen persönlichen Jet in Sachen High Tech ganz nach dem Muster der US-Präsidentenmaschine Air Force One auszustatten.

Demnach ist es zwar nicht neu, dass die Politik im Schacher um Milliardenaufträge für große Unternehmen eine erhebliche Rolle spielt. Aber die Depeschen bieten, so die Zeitung, den bisher detailliertesten Einblick in die Methoden im "Verkaufskrieg" zwischen Boeing und Airbus, bei dem es auch um die Schaffung Tausender Arbeitsplätze geht.

Langjähriger Streit der Luftfahrt-Giganten

Beide Luftfahrt-Giganten beharken sich seit Jahren wegen staatlicher Hilfen. Die 'New York Times' zitiert nun einen früheren Pentagonbeamten und derzeitigen Airbus-Berater mit den Worten, die Einschaltung von US-Diplomaten bei der Boeing-Vermarktung widerspreche dem amerikanischen Argument, dass Airbus wegen staatlicher Subventionen einen unfairen Wettbewerbsvorteil habe.

So schildert die Zeitung, dass 2006 ein Vertreter des US-Handelsministeriums König Abdullah einen Brief vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush überbracht habe. Bush habe darin den Wunsch nach dem Verkauf von bis 43 Boeing-Maschinen an Saudi-Arabien geäußert, der König daraufhin das Geschäft mit einer High-Tech-Ausrüstung für seinen Jet verknüpft. Das sei auch geschehen.

In einem anderen Fall habe Bangladeschs Regierungschef Landerechte auf dem New Yorker Kennedy-Flughafen zur Bedingung für einen Boeing-Deal gemacht. Die Türkei habe den Wunsch nach einem Platz für einen türkischen Astronauten bei einem künftigen NASA-Raumflug geäußert. Dem, so berichtet die Zeitung auf der Grundlage einer Depesche, sei zwar nicht entsprochen worden. Aber der damals involvierte US-Diplomat habe der Washingtoner Regierung andere Unterstützung für das türkische Raum- und Luftfahrtprogramm ans Herz gelegt. Turkish Airlines habe daraufhin 20 Boeing-Flugzeuge geordert.

Der Streit zwischen Boeing und Airbus dürfte durch die Wikileaks-Veröffentlichungen neue Nahrung erhalten. Die USA und die EU stehen sich als Heimat der Konzerne bereits vor der Welthandelsorganisation WTO gegenüber. Sie haben gegen die Hilfen des jeweils anderen geklagt. Beide Seiten feierten erste WTO-Berichte als Erfolg.

Paradebeispiel für den schwelenden Konflikt ist das jahrelange Gerangel um den sogenannten Jahrhundertauftrag der US Air Force für 179 neue Tankflugzeuge im Wert von mindestens 35 Milliarden Dollar. Mehrfach griffen amerikanische Politiker ein, mehrfach wurde der Auftrag neu ausgeschrieben. Zuletzt verlor Airbus überraschend das schon sicher geglaubte Megageschäft. Es wäre der Durchbruch für die Europäer auf dem amerikanischen Rüstungsmarkt gewesen.