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Wiesbadener Schüler finden keine Praktikumsplätze

Keine Plätze wegen Corona

Kultusministerium lässt Schulpraktika trotzdem nicht ausfallen

Schülerpraktikantin Lena Marie Dinse (r) aus der zehnten Klasse des Mittelstädtischen Gymnasiums Rostock deckt am 25.06.2015 im Hotel Neptun in Rostock-Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) mit Restaurantfachfrau Gerlinde Illinger einen Tisch ein. Feri
Die Plätze für Schülerpraktikanten könnten dieses Jahr eng werden.
Jens Büttner, DPA

Nicht genügend Praktikumsplätze für Schüler?

Der Wiesbadener Stadtelternbeirat schlägt Alarm: In einem öffentlichen Aufruf suchen Eltern krampfhaft nach Betrieben, die Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren nach den Herbstferien für zwei Wochen bei sich arbeiten lassen möchten. Der Grund? Coronabedingt sieht es dieses Jahr düster aus, was die Verfügbarkeit von Praktikumsplätzen für Schüler angeht. Das Kultusministerium hält dennoch an der Anordnung der Praktika als Teil des Lehrplanes fest.

Unternehmen stampfen zuerst Praktikumsplätze ein

Die Ängste des Wiesbadener Stadtelternbeirats sind nicht ganz unbegründet. Das bestätigt Melanie Dietz, Pressesprecherin der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer, rtl.de auf Nachfrage. „Viele Unternehmen haben die Anordnung, während der Pandemie keine externen Personen in den Betrieb zu lassen“, sagt Dietz. Darüber hinaus koste die Einarbeitung eines Schülers wertvolle Kapazitäten, die sich aktuell nicht jeder Betrieb leisten kann. Zwar appelliere die IHK immer wieder an die Unternehmen, die Zukunftsarbeit gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel nicht zu vernachlässigen. Wenn es hart auf hart kommt, wird aber leider erst einmal gespart.

Bezüglich der Praktikumssituation liegen Melanie Dietz keine genauen Zahlen vor, der Blick auf die 2020 in Wiesbaden unterschriebenen Ausbildungsverträge spricht allerdings eine deutliche Sprache: Im Vergleich zum Vorjahr wurden 17 Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse geschlossen. Hier ist also ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Alexander Rackwitz von der Hessischen Industrie- und Handelskammer kann diesen Trend auf das gesamte Bundesland übertragen. „Besonders kleinere und mittelgroße Betriebe können aus finanziellen Gründen keine Kapazitäten abstellen und große Unternehmen haben die Angst, dass externe Personen Infektionen einschleppen und so Produktionen zum stoppen kommen könnten“, erzählt er uns.

Trotz Corona: Kultusministerium hält an Praktikumspflicht fest

Das hessische Kultusministerium beharrt dennoch auf der Praktikumspflicht. Im aktualisierten Hygieneplan vom 13. September 2020 steht, dass mehrtägige Schülerfahrten bis Ende Januar 2021 ausgesetzt sind. Auf Nachfrage von rtl.de teilt uns Stefan Löwer vom Kultusministerium mit: „Berufsorientierungsmaßnahmen sind keine Schülerfahrten und ausdrücklich nicht ausgesetzt.“

Das Schülerbetriebspraktikum biete einen essentiell wichtigen Mehrwert für die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler. Selbst zu Pandemiezeiten wolle man nicht darauf verzichten. Laut Rackwitz von der IHK werde aber wohl aktuell nach kontaktlosen Alternativen gesucht, denkbar wären beispielsweise Videocalls der Schüler, in denen sie sich über Berufe informieren.

Sollte es in diesem Schuljahr aber tatsächlich dazu kommen, dass ein Schüler oder eine Schülerin aufgrund der aktuellen Situation keine Praktikumsstelle ergattern konnte, wird das Zeugnis um den Zusatz ergänzt, dass die Absolvierung aufgrund äußerer Umstände nicht möglich war. Eine Versetzungsgefährdung oder anderweitige Nachteile sollten also nicht auf die Schüler zukommen.