Gegen Stigmatisierung

An dieser Wiesbadener Schule gibt's jetzt Tampons für umme

Wiesbadener Schüler setzen sich für Gratis-Tampons und Binden in Schulklos ein.
© MICHAL LUDWICZAK

18. Januar 2021 - 8:28 Uhr

Schüler kämpfen gegen Stigmatisierung

Bereits seit letztem Jahr werden in Schottland Binden und Tampons all denen kostenlos zur Verfügung gestellt, die sie benötigen. Hierzulande gab es zwar eine steuerliche Anpassung, das ändert aber nichts daran, dass menstruierende Personen tiefer in die Tasche greifen müssen als andere. Nachdem die Jugendlichen aus dem Wiesbadener Jugendparlament keine Unterstützung von der Stadt bekommen haben, haben sie sich nun dazu entschlossen, eine Wiesbadener Schule auf eigene Kosten mit gratis Tampons auszustatten.

Die Stadt reagiert nicht - die Jugendlichen nehmen es selbst in die Hand

Schon im Februar 2020 hatte die Projektgruppe "Gleichberechtigung" des Jugendparlaments (Jupa) im Ausschuss für Frauen, Wirtschaft und Beschäftigung einen entsprechenden Antrag angestoßen, der dort auch angenommen wurde. Er hatte die Bereitstellung kostenloser Monatshygiene an allen öffentlichen Toiletten zum Ziel. Passiert ist bislang leider nichts. Deshalb nehmen die Jugendlichen es nun selbst in die Hand.

Beginnen wird das Jugendparlament zeitnah an der Wiesbadener Diltheyschule. Dort wird es auf den Toiletten künftig diskret angebrachte Boxen mit kostenlosen Menstruationsprodukten geben. Auf Nachfrage von RTL schrieb Liah Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende des Jugendparlaments: "Für die finanziellen Mittel werden wir kurzfristig als Jugendparlament und Stadtschüler*innenrat selbst aufkommen können. Parallel fordern wir von der Stadt Wiesbaden, dass sie die kostenlose Bereitstellung von Menstruationsprodukten auf den Schultoiletten aller weiterführenden Wiesbadener Schulen umsetzt und finanziert."

Gegen Stigmatisierung und zur Förderung des selbstbewussten Umgangs

Laut Liah Kaiser löse das kostenlose zur Verfügung stellen von Hygieneprodukten gleich mehrere Probleme auf einmal. Uns schreibt sie von einer enormen Erleichterung und Bereicherung im Alltag. Darüber hinaus "leistet die kostenlose Bereitstellung einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Periode und kann insbesondere das Selbstbewusstsein jüngerer Schüler im Umgang mit der Menstruation stärken. Nicht zuletzt bietet das Projekt eine Entlastung für Schüler aus einkommensschwachen Familien und mindert Mehrkosten, die menstruierende Personen für ihre Periode zahlen müssen."

Das Pilotprojekt soll zeigen, wie hilfreich dieses Angebot Vorbild im Alltag sein kann. Die Mitglieder des Jugendparlaments erhoffen sich dadurch, eine erneute politische Diskussion anzuregen, sodass Deutschland in Zukunft vielleicht sogar mit Schottland gleichziehen könnte.