Urteil in Wiesbaden nach Sabotage an ICE-Strecke

Knapp zehn Jahre Haft: 52-Jähriger wollte Zug entgleisen lassen

Mit Handschellen wird der Angeklagte in einen Verhandlungssaal vom Landgericht Wiesbaden geführt. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild
Mit Handschellen wird der Angeklagte in einen Verhandlungssaal vom Landgericht Wiesbaden geführt. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

29. März 2021 - 14:10 Uhr

Sabotage an ICE-Schnellstrecke Frankfurt-Köln

Rund ein Jahr nach der Sabotage an der ICE-Schnellstrecke Frankfurt-Köln wurde am Montag im Wiesbadener Landgericht das Urteil gegen einen 52-jährigen Mann verkündet. Der Täter bekam eine Haftstrafe von neun Jahren und zehn Monaten wegen versuchten Mordes, weil er einen Zug entgleisen lassen wollte.
Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Haftstrafe von 13 Jahren plädiert.
Der Rechtsanwalt des Angeklagten forderte einen Freispruch, da die Täterschaft seines Mandanten nicht bewiesen sei.

80 Meter Gleise lose - Züge passierten Gefahrenstelle mehrere Tage

Laut Anklage soll der mehrfach vorbestrafte Mann Mitte März 2020 bei Niedernhausen nahe der Theißtalbrücke über 250 Schrauben von den Schienen abmontiert haben, um so einen Zug entgleisen zu lassen. Über 400 Züge passierten an mehreren Tagen in hohem Tempo die gefährliche Stelle, bis zwei ICE-Lokführer am 20. März aufmerksam wurden. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus, dass auf einer Strecke von rund 80 Metern die Gleise lose waren.
Und diese Strecke ist vielbefahren: 90.000 Menschen seien von der Sabotage betroffen gewesen, so klagt die Staatsanwaltschaft auch diese Anzahl von Mordversuchen an. Diese Menschen schwebten durch die Sabotage des 52-Jährigen in höchster Lebensgefahr.

52-Jähriger hat Schrauben von ICE-Strecke gelöst.
Nahe der Theißtalbrücke soll der Verurteilte die Schrauben von den Gleisen abmontiert haben
© Fritz Demel

Sachverständiger: Kurz vor einer Katastrophe mit mehreren Toten

Nach Auskunft eines Sachverständigen in dem rund zwei Monate dauernden Prozess wäre ein ICE entgleist, wenn weitere 5 bis 30 Züge über die Schienen gefahren wären. Dies hätte zu einer Katastrophe mit mehreren Toten geführt. Der Angeklagte war zur Tatzeit obdachlos gewesen. Wenige Tage nach der Entdeckung der losen Gleise wurde er in Köln festgenommen. Seitdem saß er in Untersuchungshaft.

Quelle: DPA

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