Manspreading – der Kampf gegen männliche „Breitmacher“

Wiener Verkehrsbehörde will dem Ausbreitungswahn der Männer ein Ende setzen

© iStockphoto

5. November 2019 - 18:20 Uhr

Kampagne der Wiener Linien soll das breitbeinige Sitzen beenden

Sie sitzen in der Bahn, im Bus oder im Flugzeug und der Herr neben Ihnen macht sich ordentlich breit. Die Männerbeine werden gespreizt, ohne Rücksicht darauf, dass Sie gleich vom Sitz fallen. Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Falls ja, sind Sie damit nicht alleine. Das rücksichtlose Breitmachen, auch "Manspreading" genannt, ist ein immer häufiger auftretendes Phänomen. Die Wiener Linien, der städtische Verkehrsbetrieb der Bundeshauptstadt Wien, hat nun gezielt mit einer Social-Media-Kampagne zu mehr Umsicht aufgerufen.

Was genau bedeutet „Manspreading“?

Der Begriff "Manspreading" setzt sich aus den Bezeichnungen "man" (englisches Wort für Mann) und "spreading" (englische Übersetzung für "sich ausbreiten" bzw. "spreizen") zusammen. Mit dem Begriff soll das Verhalten von Männern zum Ausdruck gebracht werden, die an öffentlichen Orten mit gespreizter Beinhaltung sitzen und dadurch den Raum der daneben sitzenden Person einschränken.

„Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!“

Mit humorvollen und doch ernst zu nehmenden Illustrationen hat der Wiener Verkehrsbetrieb jetzt mit einer Anleitung auf seinen Social-Media-Kanälen auf das unangebrachte Ausbreiten von Männern hingewiesen. Mit dem Slogan "Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!" werden bildhaft falsche und richtige Sitzpositionen veranschaulicht.

Dieser "Schummelzettel", wie es die Wiener Linien bezeichnen, ist nicht der erste seiner Art. Das Unternehmen macht des Öfteren auf unpassende Verhaltensweisen seiner Fahrgäste aufmerksam und versucht seine Kundschaft auf sozialpädagogische Weise zu einem besseren Verhalten zu bewegen.

Diskussion mündet oft in Geschlechterstreit

Die Wiener Linien sind nicht der erste Verkehrsbetrieb, der auf das Phänomen Manspreading aufmerksam macht. Bereits im März 2019 thematisierte der Berliner Verkehrsbetrieb (BVG) mit einem Post das breitbeinige Sitzen in öffentlichen Bahnen.

Nicht selten mündet das Thema dabei in einer Diskussion darüber, ob derartige Verhaltensmuster ausschließlich einem Geschlecht zugeordnet werden dürfen oder ob man dann sich dann bereits im Bereich der geschlechterspezifischen Diskriminierung bewegt. Schließlich wird auch Frauen unterstellt, zu viel Platz an öffentlichen Plätzen einzunehmen, in dem sie ihre Handtaschen neben sich stellen. Auch hier hat sich der Begriff "Bagging" oder "She-Bagging" bereits etabliert.

Unabhängig davon, welche Verhaltensmuster letztlich bei welchem Geschlecht am häufigsten zu beobachten sind, sollte stets das rücksichtsvolle Miteinander im Vordergrund stehen. Frauen und Männer jeden Alters sind insbesondere im öffentlichen Raum zu einer verstärkten Umsicht aufgerufen, damit einem friedvollen Miteinander nichts im Weg steht.