Essen, was man will - ohne zuzunehmen?

Forscher entdecken Schlankheits-Gen

Manche Menschen bleiben einfach schlank - egal was sie essen. Woran liegt das?
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22. Mai 2020 - 22:27 Uhr

Warum bleiben manche Menschen ohne Mühe dünn?

"Ich kann essen, was ich will – ich nehme nicht zu!" Für viele Menschen, die mit ihrem Gewicht kämpfen, ist so eine Aussage blanker Hohn. Doch es gibt sie: Menschen, die immer schlank bleiben. Forscher aus Österreich haben nun ein Gen entdeckt, das dafür verantwortlich sein könnte. Sie hoffen darauf, dass ihre Erkenntnisse in Zukunft bei der Behandlung stark übergewichtiger Menschen helfen.

Erbgutdaten von 47.000 Menschen untersucht

Hinter der Entdeckung, die im Fachmagazin "Cell" veröffentlicht wurde, stecken ForscherInnen des Instituts für molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Sie untersuchten Daten über das Erbgut von über 47.000 Menschen, die einen gesunden Stoffwechsel haben und entweder normalgewichtig sind oder einen niedrigen BMI haben, das heißt besonders dünn sind. Die Informationen stammten aus der Datenbank des "Estonian Genome Center" in Estland.

Bei den besonders schlanken Menschen trat eine Mutation eines bestimmten Gens besonders häufig auf. Von ihm wird das sogenannte ALK-Protein gebildet. "ALK" steht hier für "Anaplastische Lymphomkinase" und kommt laut des Berichts in mutierter Form oft bei Krebsarten wie Lungenkrebs vor.

Mäuse blieben trotz fettreicher Nahrung schlank

Offenbar scheint das ALK-Gen beim Dünnsein eine wichtige Rolle zu spielen. Denn die Forscher um Michael Orthofer manipulierten es zunächst bei Fruchtfliegen. Hier zeigte sich, dass deren Blutfettwerte trotz zuckerreicher Nahrung niedrig blieben, sobald der entsprechende Genabschnitt ausgeschaltet worden war.

Auch im Versuch mit Mäusen sorgte das Vorgehen für einen schlanken Körper, wie das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) berichtet. Im Vergleich mit Artgenossen nahmen die Mäuse nicht zu, obwohl sie fettreiche Nahrung bekamen. Dasselbe geschah bei Mäusen, bei denen das ALK-Gen nur gezielt im Gehirn ausgeschaltet worden war: Die Blockade von Nervenzellen, die aus dem Hypothalamus hervorhehen, heize die Fettverbrennung an, so Michael Orthofer.

Forscher hoffen auf neue Therapiemethode bei Übergewicht

Josef Penninger, der bis 2018 das IMBA leitete, erklärt auf "science.orf.at": Man habe es bei der Entdeckung mit einer "vollkommen neuen und wesentlichen Schnittstelle im Gehirn" zu tun, "die Nahrungsverwertung und Energiekreislauf steuert". Die Hemmung des ALK-Gens "könnte womöglich eine neue Therapiemöglichkeit sein, um schlank zu bleiben." Inwiefern die Ergebnisse der Versuche an Tieren jedoch auf den Menschen übertragen werden können, muss nun in weiteren Studien geklärt werden.