Mutter trifft verstorbene Tochter (7) wieder

Virtuelles Wiedersehen mit VR-Brille: Ist das die Trauerbewältigung der Zukunft?

12. Februar 2020 - 16:58 Uhr

Emotionales Treffen in virtueller Welt

"Wo warst du Mami? Hast du an mich gedacht?" – Nach mehreren Jahren sieht Jang Ji-sung ihre 2016 verstorbene Tochter (7) das erste Mal wieder. Was klingt wie ein für die Mutter wahrgewordener Traum, sind in Wahrheit extrem berührende, aber gleichzeitig auch verstörende Szenen aus einer südkoreanischen TV-Show. Mithilfe von Virtual Reality konnte die Mutter ihr totes Kind wiedersehen und sogar anfassen. Ist dieses ungewöhnliche Aufeinandertreffen die neue Form der Trauerbewältigung?

Trauerbewältigung der Zukunft?

Die Anwendung von Virtual Reality kann für Trauernde erhebliche Gefahren bei der Trauerbewältigung mit sich bringen, betont die Psychologin Rüya Kocalevent im Interview mit RTL. Zwar hält sie es grundsätzlich nicht für ausgeschlossen, dass VR-Brillen für die Trauertherapie in Zukunft auch bei uns angewendet werden, trotzdem warnt sie vor einer leichtsinnigen Behandlung.

Laut Kocalevent ist der Zeitpunkt der VR-Behandlung ein wichtiger Faktor. Wenige Tage oder Wochen nach einem Verlust kann die Behandlung mit VR-Brillen sehr helfen. Den Verstorbenen aber vier Jahre später in einer virtuellen Realität wiederzutreffen, wie im Fall der südkoreanischen TV-Sendung, hält die Psychologin für schwierig.

Der Grund: Durch das virtuelle Aufeinandertreffen besteht die Gefahr der Retraumatisierung. Das heißt, dass der Hinterbliebene das seelische Trauma, einen geliebten Menschen zu verlieren, erneut durchleben muss. Daher sei es auch unbedingt notwendig, bei einer Therapie mit Virtual Reality psychologisch betreut zu werden.

Die Gefahr, den Trauerprozess nicht abschließen zu können

Selbstverständlich trauert jeder Mensch anders und unterschiedlich lang. Doch das Durchleben der unterschiedlichen Trauerphasen ist für jeden notwendig, um den Verlust zu verarbeiten.

Typisch für die Trauerbewältigung ist, dass Hinterbliebene häufig Orte aufsuchen, an denen sich die verstorbene Person oft aufgehalten hat. Solche Rituale sind wichtig, um die Realität mit dem Verlust abzugleichen und einzusehen, dass die geliebte Person nicht mehr da ist, erklärt Kocalevent.

Die Gefahr durch Virtual Reality: Trifft man in der virtuellen Realität auf die verstorbene Person, besteht das Risiko, in der Trauerphase stecken zu bleiben. Im Unterbewusstsein denkt man, die geliebte Person wäre noch da und der Trauerprozess kann nicht abgeschlossen werden.

Behandlungsmethoden mit VR-Brillen sind nicht neu

In der Gaming-Szene ist die VR-Brille schon ein alter Hut. Mittlerweile findet sie aber auch im Tourismus sowie im medizinischen und psychologischen Sektor immer mehr Verwendung. Beispielsweise werden mittlerweile Herz-Operationen oder Rauchentwöhnungen mit der Cyber-Brille durchgeführt. Aber nicht nur Patienten wie die Kinder in einem belgischen Reha-Zentrum werden durch Virtual Reality in eine digitale Welt entführt, um chronische Schmerzen besser ertragen zu können. Auch Senioren mit Demenz werden mittlerweile mit VR-Anwendungen behandelt, um Depressionen vorzubeugen.

Der Einsatz von Virtual Reality bringt völlig neue Innovationen. Im Fall der südkoreanischen Mutter, die ihre verstorbene Tochter dank VR-Briller wiedertrifft, gehen aber auch Risiken mit der Anwendung einher.