Wiedergenesener Toprak will mit Bayer "etwas Großes“ holen

Hatte Kopenhagens Stürmer Andreas Cornelius gut im Griff: Bayer-Verteidiger Ömer Toprak (l.)
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27. November 2015 - 15:06 Uhr

Für Ömer Toprak begann die neue Saison schon schlecht, als die meisten seiner Bundesliga-Kollegen noch auf dem Weg zur WM nach Brasilien oder in den Urlaub waren. Muskelverletzung Ende Mai bei einem unbedeutenden Testkick mit der Türkei, sechs Wochen Pause, verspäteter Einstieg in die Vorbereitung mit Bayer Leverkusen unter dem neuen Trainer Roger Schmidt. Rechtzeitig zum Saisonstart ist der Innenverteidiger zurück und träumt davon, "etwas Großes" mit Bayer zu erreichen, wie er im Interview mit sport.de verrät.

Im Pokal hatte ihn Schmidt noch geschont, beim 3:2-Erfolg im Hinspiel der Champions-League-Playoffs kam er an Toprak nicht mehr vorbei. Der 25-Jährige zahlte es seinem neuen Coach mit einer starken Leistung zurück. Der Stoßstürmer der Dänen, Andreas Cornelius, sah gegen Toprak und Innenverteidiger-Kollege Emir Spahic keinen Stich. Die Gegentore fielen nach Standards. "Klar gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten im Defensivverbund, aber es war auch nicht zu erwarten, dass wir direkt ein perfektes Spiel abliefern", sagt Toprak, der sich nach dem ersten Pflichtspieleinsatz seit drei Monaten über 90 Minuten "wieder richtig gut fühlt". Die letzten 5 bis 10 Prozent müsse er sich über die Spiele holen.

Mit den Quali-Spielen gegen Kopenhagen und dem Liga-Kracher zum Auftakt bei Borussia Dortmund stehen für Bayer gleich zu Beginn entscheidende Wochen an. "Für uns ist es wichtig, direkt da zu sein. Das müssen wir auch", so Toprak. Das Team habe dafür in der Vorbereitung hart gearbeitet. Vor allem der Systemwechsel unter Schmidt habe Zeit gebraucht. "Der Stil ist einfach ein anderer. Schmidts Augenmerk liegt viel mehr auf Pressing und Gegenpressing. Letztes Jahr haben wir mit Sami Hyypiä abwartender gespielt und auf Konter gesetzt. Das sind zwei unterschiedliche Philosophien." Bislang sei es aber sehr angenehm, mit dem Trainerneuling der Liga zu arbeiten. "Wir versuchen seine Vorgaben so schnell wie möglich zu erlernen und umzusetzen."

Nicht zuletzt aufgrund der offensiveren Ausrichtung erwartet Toprak beim BVB einen offenen Schlagabtausch. "Die Dortmunder sind dafür bekannt. Wir haben einen neuen Stil. Es wird für beide Teams ein sehr schwieriges, aber auch spannendes Spiel." Mit einem 1:0-Auswärtssieg in der vergangenen Spielzeit im Rücken fährt Leverkusen voller Selbstvertrauen in den Pott. "Wir wollen dort wieder positiv abschneiden und drei Punkte holen", so der türkische Nationalspieler.

"Ich weiß, dass es fast vorbeigewesen ist"

Ömer Toprak, Interview
Im Gespräch mit Redakteur Konstantin Betsis erklärte Ömer Toprak, wie er das Fußballgeschäft seit seinem schweren Kartunfall sieht.

Er ist überzeugt davon, dass die Werkself durch die Neuzugänge um Hakan Calhanoglu,Wendell, Josip Drmic oder Kyriakos Papadopoulos an Qualität zugelegt hat. "Wir freuen uns als Team, wenn richtig gute Spieler kommen. Das war dieses Jahr der Fall." Vor allem Nationalelf-Kumpel Calhanoglu deutete seine Qualitäten mit zwei Torvorlagen in Kopenhagen schon an. "Ich weiß um seine Qualitäten. Viele sehen nur seine Freistöße, aber er ist ein klasse Fußballer. Und er wird von Spiel zu Spiel noch besser werden", schwärmt der ehemalige Freiburger vom Jungstar. Auch deshalb wolle er mit Bayer "mal etwas holen", betont Toprak. Die Chance sei da. Wenn es das Team schaffen würde, das Maximum aus jedem herauszukitzeln, dann werde es "sehr schwer, gegen uns zu gewinnen."

Dass Toprak überhaupt noch auf dem Fußballplatz stehen kann, hat er viel Glück zu verdanken. 2009 nach einem schweren Kartunfall und vielen Wochen im Krankenhaus stand die verheißungsvolle Karriere des damaligen Freiburger Talents aus der Sportschule des Clubs auf der Kippe. Einfach froh sei er deshalb darüber, wieder das tun zu dürfen, was "ich am meisten liebe: Fußballspielen." Mit Freude beobachte er deshalb Holger Badstubers Comeback bei den Bayern nach zwei Kreuzbandrissen: "Weil man so etwas nur nachempfinden kann, wenn man es selbst erlebt hat."

Er habe aus der Zeit gelernt, dass der Fußball ein hartes Geschäft sei, das morgen so und übermorgen schon ganz anders aussehen könne. "Ich versuche deshalb, an jeden Tag positiv heranzugehen, weil ich weiß, dass es fast vorbeigewesen ist", erklärt der 1,88 Meter große Profi. Da das bei bislang Bayer ganz gut geklappt hat, habe er seinen Vertrag Anfang des Jahres bis 2018 vorzeitig verlängert. Trotz des Interesses von großen türkischen Clubs, an die Toprak aber keinen Gedanken verschwenden will: "Leverkusen ist eine Spitzenadresse. Das Wichtigste ist jetzt, dass ich gesund bleibe und meine Leistung bringe. Alles andere wird man sehen."

Konstantin Betsis