Bitte hab Verständnis dafür, dass wir in diesem Browser keine optimale Nutzung von RTL.de gewährleisten können. Bitte benutze einen aktuelleren Browser (z.B. Chrome, Firefox, Safari oder Edge), damit du die Seite wie gewohnt nutzen kannst.

Wieder Tote und Gewalt im Libanon

Die Angst ist groß, dass der Bürgerkrieg in Syrien auf den Libanon übergreifen könnte.
Die Angst ist groß, dass der Bürgerkrieg in Syrien auf den Libanon übergreifen könnte.
© dpa, A2800 epa Adel Karroum

23. Oktober 2012 - 16:30 Uhr

Streit um FBI-Hilfe bei Ermittlungen zum Attentat von Beirut

Libanons Regierung stemmt sich mit dem Einsatz des Militärs gegen ein Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf ihr Staatsgebiet. Soldaten überwachen in Beirut und Tripoli Straßenkreuzungen, nachdem es in der Nacht zu neuer Gewalt gekommen war: Nach Informationen aus libanesischen Militärkreisen kamen vier Menschen in Tripoli bei Kämpfen zwischen Alawiten und Sunniten ums Leben. Anwohner berichteten von Maschinengewehr-Feuer und Granaten-Einschlägen.

Auch mehrere Granaten aus Syrien sind im Libanon gelandet. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete, sie seien in drei Dörfern im Bezirk Akkar eingeschlagen. Verletzt worden sei niemand. Die Libanesen fürchten seit dem Sprengstoffattentat auf Geheimdienstchef Wissam al-Hassan am Freitag in Beirut, dass der Bürgerkrieg in Syrien auf ihr Land übergreift. Die Erinnerung an den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 ist noch sehr lebendig. Und das möglicherweise von Syrien gesteuerte Bombenattentat mit insgesamt acht Toten versetzt den Libanon weiterhin in Aufruhr.

Die politischen Parteien streiten derweil darüber, ob US-Ermittler bei der Untersuchung des Anschlags helfen dürfen oder nicht. Die schiitische Hisbollah-Bewegung will die FBI-Ermittler nicht, die Regierungschef Nadschib Mikati eingeladen hat. Der stellvertretende Generalsekretär der pro-syrischen Hisbollah, Scheich Naim Kassem, sagte nach Angaben lokaler Medien: "Jeder Versuch, diesem Fall eine internationale Dimension zu geben, wird nicht hilfreich sein, denn dies ist eine libanesische Angelegenheit, und dafür ist die libanesische Justiz zuständig."

Inzwischen kam ans Licht, dass mehrere Parlamentarier der Zukunftsbewegung des sunnitischen Ex-Ministerpräsidenten Saad Hariri per SMS Todesdrohungen aus Syrien erhalten hatten. Al-Hassan war zum Zeitpunkt des Attentats auf dem Weg zu einem der Parlamentarier, um mit ihm über diese Drohungen zu sprechen.

Auch im Westen ist die Sorge vor einem Bürgerkrieg im Libanon groß. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte alle Seiten, sich zurückzuhalten. "Sie fordert alle politischen Kräfte im Lande auf, Besonnenheit walten zu lassen und ein Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf den Libanon zu verhindern", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ähnlich äußerten sich die Botschafter der fünf ständigen Mitgliedstaaten des Weltsicherheitsrates während eines Treffens mit dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman.

Die Hilfsorganisation humedica bezeichnete die Lage im Libanon als angespannt, aber unter Kontrolle. Nach intensiven Beratungen mit lokalen Partnern habe man beschlossen, seine Leute zunächst wie geplant im Land zu belassen. "Unsere Hilfe im Bekaa-Tal wird dringend benötigt, diese Menschen sind auf unser Engagement angewiesen", unterstrich Geschäftsführer Wolfgang Groß die Notwendigkeit der Präsenz in der Region. "Insbesondere die medizinische Versorgung ist in Flüchtlingsszenarien ein großes Problem für die Betroffenen."

Waffenstillstand in Syrien zum Opferfest unwahrscheinlich

Mehr als 100.000 Syrer haben nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen im Libanon Schutz vor dem Bürgerkrieg gesucht. Wie das UNHCR mitteilte, sind nun mehr als 358.000 Flüchtlinge in vier Nachbarstaaten registriert – die Türkei, Jordanien, der Irak und der Libanon. Trotz der jüngsten Unruhen im Libanon halte der Flüchtlingsstrom aus Syrien weiter an. Die UN-Behörde geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahres bis zu 700.000 Syrer ins Ausland geflohen sein dürften.

In Syrien selbst begnadigte derweil Präsident Assad vor dem islamischen Opferfest eine große Zahl von Verbrechern. Die inhaftierten Revolutionäre, die im Jargon der Behörden "Terroristen" genannt werden, sind von dieser Amnestie jedoch nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana ausgenommen.

Für den Fall einer Waffenruhe bereiten sich die UN-Friedenstruppen auf einen Einsatz vor. Die erforderliche Zahl an Blauhelm-Soldaten steht nach den Worten ihres Chefs Herve Ladsous derzeit noch nicht fest. Ladsous bestätigte aber frühere Schätzungen, dass bis zu 3.000 Soldaten nötig sein würden, eine Feuerpause zu überwachen sowie Regierungstruppen und Rebellen auf Distanz zu halten.

Der internationale Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi bemüht sich derzeit darum, dass zum bevorstehenden muslimischen Opferfest von Freitag an die Waffen in dem Land schweigen. Seine Erfolgsaussichten gelten aber als gering.

Der Nachrichtensender 'Al-Arabija' meldete, Rebellen, die in der Stadt Aleppo gegen die Regierungstruppen kämpfen, hätten für ihren Fronteinsatz jetzt erstmals ein "Monatsgehalt" erhalten. Jeder Angehörige der Freien Syrischen Armee bekomme ab sofort 150 US-Dollar. Es wird vermutet, dass sowohl reiche Syrer, die im Ausland leben, als auch Spender in den arabischen Golfstaaten dafür Geld gegeben haben.

Auch interessant