Energieverbrauch in Corona-Zeiten

Wie wirkt sich die Pandemie auf den Strompreis aus?

An der Strombörse ist der Preis stark gesunken, die Vebraucher profitieren aber erstmal nicht
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15. Mai 2020 - 12:49 Uhr

Drastischer Rückgang durch Pandemie

Wochenlang standen die Fließbänder still. Das Licht in den Fabriken blieb aus. Der Energieverbrauch ist massiv eingebrochen. Auch wenn die Nachfrage in den Privathaushalten gestiegen ist, weil so viele Menschen Homeoffice machen. Letztendlich lag der Stromverbrauch, laut Bundesnetzagentur, im April um mehr als acht Prozent unter dem im Vorjahreszeitraum. An der Strombörse ist der Preis stark gesunken – nicht nur wegen des wirtschaftlichen Stillstands. Die Rekorde bei der Energieerzeugung aus Wind und Sonne haben auch zu einem Überangebot geführt. Doch ob die Verbraucher davon profitieren werden, ist noch ungewiss.

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Kommen bald sogar höhere Stromkosten?

Verbraucher schließen meist langfristige Verträge ab. Deshalb haben sie von dem aktuellen Preisverfall an der Strombörse erst einmal keine finanzielle Entlastung. Außerdem befürchtet Eon-Chef Johannes Teyssen eine Explosion der EEG-Umlage aufgrund der Corona-Krise.

Die EEG-Umlage (aktuell knapp 7 Cent/Kilowattstunde) muss jeder Verbraucher mit seiner Stromrechnung zahlen. Damit wird der Ausbau von Ökostrom finanziert. DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert dagegen warnt gegenüber RTL vor Panikmache: "Für mich ist das eine klassische Argumentation, die erneuerbaren Energien zum Sündenbock zu machen und auch als Alibi zu nutzen, um eben die Strompreise willkürlich nach oben schrauben zu können."

Genau gegen eine Explosion der EEG Umlage und somit auch gegen höhere Strompreise sprechen allerdings Pläne der Bundesregierung. Um Bürger und Unternehmen bei den Strompreisen zu entlasten, bereitet sie eine Senkung der Ökostrom-Umlage für 2021 vor.  Die war im Klimaschutzprogramm 2030 der schwarz-roten Koalition ohnehin schon vorgesehen. "Zudem kann eine weitere Entlastung der EEG-Umlage infolge der Corona-Krise erforderlich werden", heißt es im neuen Entwurf. Was dann an Fördergeld etwa für Windkraft- und Solaranlagen wegfällt, soll mit Steuergeld ausgeglichen werden. Dann würden zumindest die Stromkosten sinken und nicht etwa steigen.

Was Verbraucher bei steigenden Strompreisen tun können

Laut DIW-Expertin Kemfert können Verbraucher zwei Dinge tun: 1. Im Internet checken, ob es Anbieter gibt, die die sinkenden Preise weitergeben. "Es gibt viele Ökostromanbieter, die diese Preisexplosion nicht haben, weil sie auch besser wirtschaften." 2. Auf den eigenen Verbrauch achten, auch wenn das in Corona-Zeiten nicht ganz einfach sein dürfte.

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