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Wie Viren vom Tier auf Menschen übergehen

Wir müssen anders mit den Tieren umgehen

Wie Viren vom Tier auf Menschen übergehen

Wuhan gleicht einer Geisterstadt Leergefegt wegen Coronavirus
01:17 min
Leergefegt wegen Coronavirus
Wuhan gleicht einer Geisterstadt

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Schon viele schlimme Krankheiten schafften es vom Tier zum Mensch

Das Coronavirus hat einen beispiellosen Zug um die Welt angetreten. Es fliegt in unserer bestens vernetzten Welt einfach mit dem Flugzeug von Kontinent zu Kontinent und breitet sich ungehindert aus. Es gilt als gesichert, dass das Virus auf einem Tiermarkt in Wuhan den Sprung vom Tier zu Menschen schaffte. Für Viren eine sehr erfolgreiche Strategie. Zahlreiche andere Krankheiten holten wir uns ebenfalls von Tieren. Was aber müssen wir tun, damit die Viren dem Menschen fernbleiben?

Zwei Probleme: Tiermärkte und Zerstörung des Lebensraums

Schuppentier
In Asien gilt ein Pangolin als Delikatesse.
deutsche presse agentur

2002/03 wurde Ostasien von der Sars-Pandemie heimgesucht. Auch diese tödliche Lungenkrankheit – etwa 800 Menschen starben – wurde von Tieren übertragen. Damals war das eine Schleichkatzenart. Auch das Coronavirus schaffte es nun vom Tier zum Menschen. Vermutlich war es das Schuppentier Pangolin, das den Erreger in sich trug und womöglich über einen Zwischenwirt auf einem Lebendmarkt in China zum Menschen brachte.

Die Infektion mit solchen Viren hängt mit zwei Problemen zusammen: Die Märkte, auf denen Tiere und Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht sind und die Zerstörung von Lebensraum für die Tiere. Auf den chinesischen Märkten werden seltene Tiere gehandelt, die oft lediglich bei der reichen Oberklasse als Delikatessen gelten. Es gibt auch Schlachtungen auf den Märkten, sogenannte „wet markets“. Für die Viren öffnet sich dann die Tür, auf andere Wirte zu springen.

Kühe, Hühner, Affen – es gibt viele Überträger

A Chinese poultry seller picks chickens at a poultry wholesale market in Guangzhou city, south Chinas Guangdong province, 17 March 2008. A 19-year-old woman has died of the H5N1 bird flu virus in Beijing after coming into contact with poultry, health
Geflügelzucht in Guangzhou: Die Vogelgrippe nahm ihren Anfang auch auf einem Lebend-Tiermarkt.
picture-alliance/ dpa, Imaginechina Shanghai Daily

Nach der Sars-Pandemie wurden die Lebendmärkte eingeschränkt, die Verbote aber bald wieder gelockert. Auf diesen Märkten treffen sich auch Tierarten, die sich in freier Wildbahn niemals begegnen würden. Und der Mensch ist mittendrin. 1997 trat die Vogelgrippe ihren Siegeszug von einem Hühnermarkt in Hongkong an.

Masern und Tuberkulose schafften es von Kühen zum Mensch. HIV entwickelte sich aus Lentviren, die in der Affenart der Makaken lebten. Weil Eisenbahnen und Städte im kongolesischen Dschungel gebaut wurden, kam der Mensch in Kontakt mit diesen Viren. Auch die Cholera holte sich der Mensch aus den Mangrovenwäldern.

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Wälder gerodet – Fledermäuse wichen auf besiedelte Gebiete aus

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Ebola forderte viele Tote in Afrika und ist auf die Zerstörung von Lebensraum von Tieren zurückzuführen.
lb mbk, dpa, Ahmed Jallanzo

Wie die Wissenschaftsjournalistin Sonia Shah in der „Monde diplomatique“ schreibt, ist auch die Ebola-Epidemie in Afrika (2014-2016) auf eine Zerstörung von Lebensräumen zurückzuführen. Damals wurden in Westafrika Wälder gerodet. Die Fledermäuse, die das Virus in sich trugen, wichen auf bewohnte Gebiete aus und brachten Ebola zu den Menschen. Ein absolut tödlicher Besuch.

Wenn wir künftige Pandemien vermeiden wollen, müssen wir den Wildtieren ihren Lebensraum lassen. Wildtiermärkte, auf denen exotische Tierarten dicht an dicht gehalten werden, sind schon allen aus Tierschutzgründen zu untersagen. Der wirtschaftliche Schaden, den das Virus derzeit anrichtet, ist weitaus gewaltiger und kostenintensiver als eine funktionierende Pandemie-Prävention. Und wenn wir den Wildtieren ihre letzten Refugien lassen, dann verschonen diese uns auch mit ansteckenden und tödlichen Krankheiten.