Auch Claudia Roth musste 11 Tage auf das Testergebnis warten

Schwere Panne bei Corona-Tests in Bayern: Tausende Urlaubsrückkehrer warten noch immer auf ihre Ergebnisse

Claudia Roth
© dpa, Guido Kirchner, gki wst

14. August 2020 - 16:04 Uhr

von Heike Boese

Claudia Roth wollte wie viele andere Urlaubsrückkehrer alles richtig machen. Also hat die Bundestagsvizepräsidentin bei der Rückkehr aus ihrem Urlaub einen Corona-Test gemacht und ist nach Hause gefahren, um in Quarantäne das Ergebnis abzuwarten. Ein, zwei Tage zuhause – kein Problem. Aber aus ein, zwei Tagen wurden elf! Elf volle Tage, in denen Claudia Roth wie alle nicht aus dem Haus dufte. Solange konnte die Grünen-Politikerin nicht warten und hat am Wohnort einen zweiten Test gemacht. Zum Glück ist das Ergebnis bei beiden Tests negativ. Aber so war das nicht gedacht von der Bayerischen Landesregierung.

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Panne ist ein Fiasko - medizinisch und politisch

2.300 Helfer haben bis gestern insgesamt 64.700 Rachenabstriche genommen – für diese gewaltige Aufgabe innerhalb so kurzer Zeit waren Freiwillige vom Bayerischen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, von den Johannitern und Maltesern, vom DLRG, dem medizinischen Katastrophenhilfswerk und dem THW ausgerückt, um den Freistaat zu unterstützen.

Das zehntausende Menschen bis jetzt Tausende auf die Testergebnisse warten – und das vermutlich nicht immer in häuslicher Quarantäne - ist ein Fiasko allererster Güte. Medizinisch und politisch. Von denen, die ihr Ergebnis lange nicht kannten, waren bis Donnerstag Abend 908 positiv auf Corona getestet worden und hätten auf jeden Fall zuhause bleiben müssen. (Wie hoch das Risiko ist, schätzt Virologe Jonas Schmidt Chanasit ein.)

Wer sich gut fühlt und keine schweren Symptome hat, kann eine Covid-19-Erkrankung theoretisch auch in den eigenen vier Wänden auskurieren. Aber auf keinen Fall dürfen diese Personen Kontakt zu anderen haben, um nicht noch mehr Menschen anzustecken.

Bayern war auf den Ansturm nicht vorbereitet

Hintergrund für die Verzögerungen ist vor allem, dass sich zum einen deutlich mehr Menschen testen ließen als erwartet, und zum anderen, dass der Abgleich von Laboruntersuchung und Kontaktformular per Hand abläuft. Das dauert lange und oft konnten die Helfer die Namen, Adressen oder Telefonnummern nicht richtig lesen.

Jeder, der schon mal ein Formular ausgefüllt hat, weiß, dass man selbst seine Angaben gelegentlich eher kritzelt als schreibt. Das macht den Behörden jetzt die Arbeit schwer. Bei vielen Erkrankten wissen die Behörden auch nicht, wo sie im Urlaub waren und wo genau sie sich angesteckt haben.

Verzögerungen können zu deutlich mehr Ansteckungen führen

Bis zum Ende der Woche sollen alle getesteten Personen ihr Ergebnis haben. Allerdings hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder schon angedeutet, dass auch das womöglich nicht klappt. Söder bittet deshalb alle, die bis dahin keine Nachricht bekommen haben, sich ein zweites Mal testen zu lassen. Man kann nur hoffen, dass es in zumindest einigen Fällen noch nicht zu spät ist und weitere Infektionen nach sich gezogen hat.

Wie es sich anfühlt, einen Test gemacht zu haben und noch kein Ergebnis zu haben, berichtet Familie Weller. Sie waren in Kroatien. 

Bayerische Gesundheitsministerin bietet Rücktritt an - Söder lehnt ab

Die Idee der bayerischen Landesregierung, alle Urlaubsrückkehrer auf Corona zu testen, war gut und richtig. Aber bei der Umsetzung haben sich die Bayern wohl deutlich übernommen. Zwei Rücktrittsangebote der zuständigen Gesundheitsministerin Melanie Huml, CSU, hat Markus Söder abgelehnt.

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