Viele Menschen besorgt wegen jüngster Gewalttaten

Wie sicher sind wir noch in Deutschland?

30. Juli 2019 - 10:31 Uhr

Seehofer unterbricht Urlaub

Randale in Freibädern, der Tod eines Achtjährigen, der vor einen ICE gestoßen wurde: Nach einer Reihe schwerer Gewalt-Delikte in den letzten Tagen hat Bundesinnenminister Seehofer seinen Urlaub unterbrochen. Er will heute mit den Chefs der Sicherheitsbehörden über die aktuelle Lage in Deutschland beraten und über die Frage, die Millionen Bürger beschäftigt: Sind wir in unserem Land noch sicher?

Debatte über Sicherheit an Bahnhöfen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU)
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) berät sich heute in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden. Anlass sind „mehrere schwerwiegende Taten in jüngerer Zeit.“
© dpa, Henning Kaiser, hka axs

Für den Bund Deutscher Kriminalbeamter lautet die Antwort eindeutig ja: "Wir haben weniger Straßenkriminalität, weniger Gewaltkriminalität, das sagen wirklich alle Studien, alle Daten, die wir hier haben", sagt Sprecher Sebastian Fiedler.

Warum haben dennoch zunehmend viele Menschen das Gefühl wachsender Unsicherheit? "Die gefühlte Sicherheit wird maßgeblich durch soziale Medien und durch das Krakeelen von Rechtsaußen, wenn ich mir mal die Parteienlandschaft anschaue, bestimmt", so Fiedler.

Polizei: Schnelle Lösungen nicht möglich

22.07.2019, Nordrhein-Westfalen, Voerde: Blumen und Kerzen stehen an Gleis eins am Bahnhof. Ein Mann hat hier am 20.07.2019 eine ihm völlig unbekannte 34-Jährige vor einen einfahrenden Zug gestoßen und somit getötet. Das Amtsgericht Duisburg erließ a
Im nordrhein-westfälischen Voerde hat am 20 Juli ein Mann eine ihm völlig unbekannte 34-Jährige vor einen einfahrenden Zug gestoßen und dadurch getötet.
© dpa, Marcel Kusch, mku gfh

Die Frankfurter Attacke löste auch eine Debatte über die Sicherheit an Bahnhöfen aus. CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor sagte, er sei "offen für eine Diskussion über bessere Sicherheitsvorkehrungen an unseren Bahnhöfen." SPD-Verkehrsexperte Martin Burkert bemängelt laut "Bild"-Zeitung die unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen. Außerdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten.

Für seine Parteikollegin Anke Rehlinger (SPD) sind Taten wie in Frankfurt durch Sicherheitsmaßnahmen allerdings nicht zu verhindern. "Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke", sagte die saarländische Verkehrsministerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte vor Nachahmungstätern. Aus Großstädten wie Berlin seien Fälle sogenannter S- und U-Bahn-Schubser schon länger bekannt. "Die Polizei versucht sich nach jedem Fall präventiv besser einzustellen. Bei Taten, die vorsätzlich geschehen, stößt sie jedoch an ihre Grenzen", sagte er dem RND.

Frankfurt: Motiv weiter unklar

29.07.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Polizist legt an einer Stelle im Hauptbahnhof Blumen nieder. Ein achtjähriger Junge ist im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet worden. Ein Tatverdächtiger wur
Ein Polizist legt im Frankfurter Hauptbahnhof Blumen nieder, wo ein achtjähriger Junge von einem Mann in den Tod gestoßen wurde.
© dpa, Andreas Arnold, arn

Schnelle Lösungen könne es bei 5.600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland nicht geben. "Die sind alle so unterschiedlich strukturiert, dass es schwer sein dürfte, ein Konzept für alle zu entwickeln." Forderungen nach mehr Personal bezeichnete der GdP-Vize als unseriös.

Unterdessen geht nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof die Suche der Ermittler nach dem Mordmotiv weiter. Der 40-Jährige, der den achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen hat, wird heute dem Haftrichter vorgeführt. Bislang hat er sich nicht zu dem Fall geäußert.