Urlaub in der Corona-Pandemie

Wie sicher sind Reisen in die Türkei? Interview mit Tourismusminister

Urlaubsziele - Risikoliste der Bundesregierung
© dpa, Marius Becker, mb gfh lof tba

20. Juni 2020 - 16:39 Uhr

Von Kavita Sharma

In der weitläufigen Anlage des 5-Sterne-Hotels ist Linda Visznecki mit ihrem neunjährigen Sohn an diesem Nachmittag fast allein, abgesehen von einer anderen Frau, die sich von den vielen leeren Liegen am Pool eine aussuchen kann. Es ist offensichtlich, dass die Corona-Krise hier in Antalya tiefe Spuren hinterlassen hat. Die Verlängerung der Reisewarnung für die Türkei seitens der Bundesregierung war eine weitere Enttäuschung, für eine Region, die vom Tourismus lebt.

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Türkische Hotels locken mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen

​Visznecki hat sich jedoch über diese Reisewarnung hinweggesetzt. Die Türkeiliebhaberin bereut ihre Entscheidung nicht: "Die Vorkehrungen, die hier speziell vom Hotel getroffen werden, überragen diejenigen, die ich im Alltag in Wiesbaden angetroffen habe. Das heißt ich fühle mich sicher und bestens aufgehoben mit allen Sauberkeitskriterien und Hygienevorkehrungen. Ich habe keine Bedenken."

Die türkische Regierung hat einen Maßnahmen-Katalog erlassen, um Touristen zu überzeugen, auch in Corona-Zeiten in die Türkei zu reisen. Zusätzlich können Hotels sich einem freiwilligen Zertifizierungsprogramm unterziehen, an dem auch der TÜV beteiligt ist.

Visnecki setzt großes Vertrauen in die medizinische Gesundheitsversorgung in der Türkei. Ein weiterer Grund, warum sie trotz Reisewarnung in den Flieger gestiegen ist: "Das türkische Gesundheitssystem ist bekannt, es gibt auch den Medizintourismus hier. Das ist auch bekannt. Ich habe überhaupt keine Sorge, wenn mir etwas zustoßen sollte."

Tourismusminister: "Besonders in den Feriengebieten hatten wir sehr wenige Fälle“

Auch die türkische Regierung wirbt mit einem robusten Gesundheitssystem. Als wir Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy in Antalya treffen, sagt er, man habe große Erfolge im Kampf gegen die Pandemie erzielt, die Türkei stehe besser da, als einige europäische Länder. Das es trotzdem eine Reisewarnung für die Türkei gäbe, kann sich der Ersoy nur so erklären: "Sie wollen, dass die Urlauber vor allem in europäischen Ländern bleiben und dort reisen. Wir haben unsere Daten bezüglich Corona vorgelegt, besonders in den Feriengebieten hatten wir sehr wenige Fälle."

In den letzten Wochen veröffentlichte die türkische Regierung nur selten regionale Corona-Statistiken. Das weckte in Europa nicht gerade Vertrauen. Bei einer Veranstaltung, bei der die Türkei ihre Sicherheitsmaßnahmen für den Tourismusbereich vorstellte, präsentierte Ersoy aber dann konkrete Zahlen für die Urlaubsgebiete, darunter auch die Region Antalya. Es soll in der Region 14 Todesopfer und 472 bestätigte Corona Infektionen gegeben haben.

Corona ist auch in der Türkei noch nicht besiegt

Deswegen argumentiert Reiseveranstalter Deniz Ugur von Bentour Reisen, die Bundesregierung müsse ihren Kurs überdenken: "Wir sagen die Region Antalya hat hier wirklich eine Möglichkeit Urlaub wieder stattfinden zu lassen und wir denken auch, dass dieser Urlaub momentan für viele deutsche Staatsbürger dringend notwendig ist." Dass Ugur als Reiseveranstalter von einem rein finanziellen Interesse geleitet ist, bestreitet er: "Ich würde niemals Reisen anbieten, wenn ich am Ende etwas riskieren würde oder nicht mit meiner eigenen Familie auch kommen würde."

Allerdings stiegen die bestätigten Neuinfektionen in der gesamten Türkei, seitdem die Corona-Restriktionen Anfang Juni gelockert wurden, wieder an, dann sanken sie erneut etwas. Am 2. Juni waren es 786 und am 19. Juni dann 1.214 bestätigte Neuinfektionen. Eine Warnung, dass das Corona-Virus auch in der Türkei noch nicht besiegt ist.

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