Festnahme in Frankreich

"Wie Samuel Paty": Schüler (17) droht Lehrer mit Enthauptung

Samuel Paty (47) starb, weil er seinen Schülern die Meinungsfreiheit erklären wollte und dabei eine Mohammed-Karikatur zeigte.
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20. November 2020 - 20:34 Uhr

Frankreich: Schüler droht Lehrer mit Ermordung

Samuel Paty (47) starb, weil er seinen Schülern die Meinungsfreiheit erklären wollte und dabei eine Mohammed-Karikatur zeigte. Ein 18-jähriger Islamist ist dem Geschichtslehrer deshalb vor einer Schule aufgelauert und hat ihn kaltblütig geköpft. Die Ermordung löste in ganz Frankreich Bestürzung und eine Debatte über Islamismus aus. Nun schockiert ein weiterer Vorfall das Land. Ein 17-jähriger Schüler soll einem Lehrer gedroht haben, er würde das gleiche Schicksal wie Paty erleiden. 

Schüler habe nur "scherzen wollen"

Der junge Mann wurde am Mittwoch im französischen Annecy bei Lyon festgenommen, nachdem er in einer Snapchat-Gruppe einem Lehrer mit dem Tod gedroht haben soll. Dort soll der 17-Jährige geschrieben haben: "Ich werde ihn zu einem Samuel Paty machen", berichtet der französische Radiosender "France Bleu". Ein Mitschüler hatte dem bedrohten Lehrer daraufhin eine anonyme E-Mail geschrieben und ihn gewarnt. Der 17-Jährige soll bei der Vernehmung gestanden haben, die Nachricht in das soziale Netzwerk geschickt zu haben.

Am Donnerstag sei er einem Jugendrichter vorgeführt worden. Er erklärte, er habe mit dem Lehrer Probleme gehabt, habe es aber nicht ernst gemeint. Er habe "scherzen wollen", heißt es in dem Bericht. Laut Polizei werde nun gegen den Schüler ermittelt.

Samuel Paty vor einer Schule bei Paris enthauptet

Der Lehrer Paty war am 16. Oktober in einem Vorort von Paris vom 18-jährigen Abdoullakh A. attackiert und getötet worden. Die Leiche des Lehrers wurde enthauptet aufgefunden. Der Angreifer mit tschetschenischen Wurzeln wurde von Polizisten erschossen.

Berlin: Schüler bedroht Lehrerin

Auch in Berlin hatte ein elfjähriger muslimischer Schüler am 10. November einer Lehrerin mit Gewalt und Enthauptung gedroht. Er soll damit auf angekündigte Sanktionen bei einem Nicht-Erscheinen seiner Eltern zu den üblichen Gesprächen in der Schule reagiert haben: "Wenn das passiert, weil meine Eltern nicht gekommen sind, dann mache ich mit dir das Gleiche wie der Junge mit dem Lehrer in Paris."

Die Senatsschulverwaltung bestätigte damals den Vorfall in Berlin-Spandau und erklärte, die Schulaufsicht und das Jugendamt seien eingeschaltet worden. Mit dem Jungen würden Schulpsychologen sprechen.