Wie konnte das Flugzeugunglück in Taipeh passieren? Das meint RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö

05. Februar 2015 - 19:39 Uhr

"Maschine war zu langsam zum Abheben"

Es gleicht einem Wunder, dass es überhaupt Überlebende gibt: Ein Passagierflugzeug gerät in Taiwans Hauptstadt Taipeh außer Kontrolle und stürzt in einen Fluss. Mindestens 31 Menschen sind dabei gestorben, 15 weitere wurden gerettet, berichten lokale Medien. Viele Fragen sind offen. RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö erklärt, wie das Unglück passiert sein könnte.

Wie konnte das Flugzeugunglück in Taipeh passieren? Das meint RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö
RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö erklärt, wie der Horrorcrash in Taipeh passiert sein könnte.

"Die Maschine war zu langsam, vermute ich, sie konnte nicht an Höhe gewinnen. Es scheint einen Triebwerksausfall gegeben zu haben. Die Piloten sollen in einem kurzen Mayday-Notruf davon gesprochen haben." Ein Autofahrer hatte die dramatischen Szenen gefilmt. Die Maschine krachte kurz nach dem Start vom Songshan-Flughafen in der Innenstadt der Millionenmetropole mit einer Tragfläche gegen eine Brücke und ein Taxi. Dann stürzte sie in den Keelung-Fluss. "Es sieht auf dem Video so aus, als ob die Piloten noch versucht hätten, Hochhäusern in ihrem Weg auszuweichen. Vielleicht haben sie die zu langsame Maschine dabei überzogen", sagt Benkö.

"Flugschreiber wird Antwort auf Fragen geben"

"Was wir dann auf dem Video sehen, wirkt als ob die Luft-Strömung an den Tragflächen durch die zu geringe Geschwindigkeit abgerissen ist. Dann reicht der Auftrieb nicht mehr aus. Meistens kippt ein Flugzeug dann auf die Seite und sackt ab. Vielleicht hatten die Piloten zuvor noch versucht, zum Fluss zu steuern, er verläuft in Richtung ihres Startkurses. Das ist mit den Informationen von heute schwer zu sagen. In den letzten Sekunden des Fluges, beim Absacken, hatten die Piloten dann sicherlich bereits die Kontrolle verloren."

"Kommt es bei einem Flugzeug in wenigen hundert Metern Höhe zum sogenannten Strömungsabriss und Absacken, reicht die verbleibende Höhe meistens nicht zum Abfangen aus. Ist es einmal soweit gekommen, werden auch Piloten zu Passagieren. Dann gehorcht die Maschine ihnen plötzlich nicht mehr. Um ein derart außer Kontrolle geratenes Flugzeug wieder abzufangen, bräuchte man sicher einige tausend Meter Flughöhe, die es hier nicht mehr gab."

"Man sieht auf dem Video, wie enorm die Sinkrate durch die Schräglage nach links innerhalb von Sekunden wird. Dass sie es noch bis hinter die Brücke geschafft haben, bis zum Wasser, könnte die Überlebenschancen für einige verbessert haben. Dennoch muss auch der Aufprall aufs Wasser sehr stark gewesen sein. Normalerweise führt der Ausfall eines Triebwerks nicht dazu, dass eine Maschine außer Kontrolle gerät. Ein solches Flugzeug muss auch mit nur einem verbleibenden Triebwerk noch sicher starten und steigen können. Deshalb bleibt der Absturz noch rätselhaft."

"Gab es ein anderes Problem, das die Piloten daran hinderte, den Triebwerksausfall zu kompensieren? Sollte nicht nur eines, sollten gar beide Triebwerke ausgefallen sein? Neben Vogelschlag wie im Fall der Notwasserung auf dem Hudson-River in New York 2009 könnten auch Probleme mit dem Treibstoff oder der Triebwerkssteuerung theoretisch zu so etwas führen. Antworten darauf dürfte die Auswertung der Flugschreiber bringen."

Flug GE235 der Airline Transasia war um 10.52 Uhr (Ortszeit) in der Millionenstadt Taipeh gestartet. Wenige Minuten später registrierte die Luftfahrtbehörde einen Notruf. Anschließend riss der Kontakt zu der Maschine ab. Im Juli vergangenen Jahres war eine Maschine der Fluggesellschaft bei Sturm auf der Insel Penghu in ein Wohngebiet gestürzt, 48 Menschen kamen ums Leben.