IT-Experte Sven Herpig gibt antworten

Wie kamen die Hacker an private Daten unserer Politiker?

4. Januar 2019 - 16:14 Uhr

Private Daten standen offen im Netz - wie ist das möglich?

Es war ein riesiger Hacker-Angriff auf Politiker und Prominente. Private Handynummern, Chatverläufe, Adressen, Ausweise, Briefe und Kreditkarteninfos – all das stand offen im Netz. Auch hochrangige Politiker sind betroffen. Wie ist es möglich, dass Hacker sich Zugang zu so sensiblen Daten verschaffen konnten? Sollten Politiker ihre Handys und Computer nicht besonders gut schützen? Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung gibt Antworten.

Private Geräte sind oft wenigerer geschützt

Noch sind viele Fragen offen, erklärt der Experte im RTL-Interview. "Wir wissen noch nicht, wo die Daten abgegriffen worden sind". Sie scheinen aber aus privaten Social-Media-Accounts der betroffenen zu stammen. Und genau da liegt das Problem, wie Herpig weiß. Denn die privaten Geräte von Politikern sind meist weniger geschützt, als die dienstlichen Geräte.

Natürlich werden Politiker in Sachen IT-Sicherheit beraten. "Es gibt freiwillige Beratungsangebote vom Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik", erklärt der Experte. "Die Frage ist nur, wie viel davon auch umgesetzt wird." Ein Sicherheitsrisiko seien auch die Geräte von Familienangehörigen und Freunden. Denn die haben dann ja ebenfalls die Chatprotokolle.

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geht im Moment davon aus, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie Sozialen Medien oder Webauftritten stammen sowie teilweise aus privaten Clouds.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Wer hinter dem Anschlag steckt, ist noch unklar. Aber Sven Herpig kann zumindest Vermutungen anstellen. Normalerweise sei Russland in solchen Fällen der erste Verdächtige. "Wir haben in der Vergangenheit beobachten können, dass Russland eben auch politische Prozesse angreift. Wir haben in Deutschland vier Landtagswahlen, die anstehen, die Europaparlamentswahl, die ansteht. Das würde also in das normale Vorgehen der Russen passen", erklärt der Experte.

Auffällig sei in diesem Fall aber auch, dass keine Daten von AfD-Abgeordneten geleakt wurden, dafür aber welche von Prominenten, die sich gegen rechte Gewalt aussprechen, auch da könnte eine Fährte hinführen. Genaueres kann man aber erst sagen, wenn die IT-Forensiker mit ihren Analysen fertig sind.

Das ganze Interview zum Hackerangriff gibt es im Video.