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Wie kam es zu der Zugkollision in Mannheim?

Wie kam es zu der Zugkollision in Mannheim?

Ermittlungen können Tage dauern

Nach dem Zugunglück in Mannheim, bei dem 35 Menschen verletzt wurden, darunter vier schwer, läuft die Suche nach der Unglücksursache auf Hochtouren. Experten versuchen herauszufinden, wie es zu der Kollision zwischen einem Eurocity mit 250 Passagieren und einem mit Chemikalien beladenen Güterzug kommen konnte.

Wie kam es zu der Zugkollision in Mannheim?
Zwei Waggons mit 110 Passagieren waren bei dem Zugunglück in Mannheim umgekippt.
dpa, Uli Deck

Spezialisten, darunter Experten der Bundespolizei und der Unfalluntersuchungsstelle des Bundes, untersuchten die Unfallstelle. Das niederländische Unternehmen ERS Railways, zu dem der Güterzug gehörte, will ebenfalls Fachleute nach Mannheim schicken. Doch die Klärung des Zugunglücks wird wohl eine ganze Weile in Anspruch nehmen.

Die umgekippten Waggons sollten so lange liegenbleiben, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Dies könne unter Umständen noch Tage dauern. Alle Seiten seien aber bemüht, die Strecke so schnell wie möglich wieder freizugeben. Vorübergehend waren deshalb nur drei von zehn Gleisen am Mannheimer Hauptbahnhof - ein zentraler Knotenpunkt vor allem im Fernverkehr quer durch Deutschland - von beiden Seiten voll befahrbar.

Um einen schnellen Abtransport der Zugwracks zu ermöglichen, sobald die Ermittler die Unfallstelle freigeben, orderte die Bahn laut Bundespolizei vorsorglich zwei jeweils 70 Tonnen schwere Bergekräne. "Wann mit den Bergungsarbeiten begonnen werden kann, ist aber noch offen", sagte eine Sprecherin. Weil das Tempo der beiden Züge bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof am Freitag kurz vor 21.00 Uhr gedrosselt war, lief der Unfall noch recht glimpflich ab. Zwei Waggons mit 110 Passagieren waren umgekippt. Die auf dem Güterzug transportieren Behälter mit der Chemikalie seien nicht beschädigt worden, teilte die Bundespolizei mit.

Keiner der verletzten Passagiere in Lebensgefahr

Ob der betroffene Zug, der auf dem Weg von Duisburg nach Ungarn war, auch regelmäßig den Mannheimer Bahnhof passiert, müsse noch geklärt werden. Zudem beschäftigt Experten die Frage, warum der Güterzug den Eurocity seitlich rammte. Laut Bundespolizei wird geprüft, ob eine Weiche dabei eine Rolle spielte.

Die Bahn-Spezialisten überprüften unter anderem den Betriebsablauf, wie eine Sprecherin der Untersuchungsstelle des Bundes berichtete. Außerdem müsse untersucht werden, ob die Signale und die Fahrzeuge richtig funktionierten. "Wir ermitteln in alle Richtungen", hieß es.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kam zum Unfallort. "Wir haben richtig Glück gehabt, dass niemand gestorben ist", sagte er. Fünf der neun Wagen des Eurocity-Zuges entgleisten laut Bahn, zwei davon stürzten um. Das Unternehmen ERS Railways verwies auf Nachfrage zum Inhalt der Container auf die Ermittler in Mannheim. In einer Stellungnahme hieß es, man biete bei der Aufklärung volle Kooperation an und sorge sich um die Verletzten.

Die 250 Passagiere des Eurocitys 216 (Graz-Saarbrücken) waren in der Nacht aus den Waggons befreit worden. Nach Angaben der Bundespolizei kamen insgesamt 14 Verletzte in Krankenhäuser. Vier von ihnen konnten nach Angaben der Bundespolizei schon wieder entlassen werden. Lebensgefahr bestehe bei keinem der Beteiligten. Neben Rettungskräften waren rund 100 Bahnmitarbeiter im Einsatz. Durch das Zugunglück kam es zu Störungen im Bahnverkehr. Einige Züge fielen aus, andere wurden umgeleitet.