Isolation – ganz alleine?

Wie ich die sch*** Corona-Krise als Single erlebe

Ich sitze während Corona-Zeiten alleine Zuhause
© Privat: Tobias Grimm

26. März 2020 - 11:37 Uhr

Von Tobias Grimm

Reisen, Sport, Freunde treffen, in Bars gehen, feiern, tanzen: all das liebe ich und all das ist aktuell wegen der Corona-Krise einfach nicht möglich. Wir MÜSSEN zu Hause bleiben, das verstehe ich. Das verstehe ich vor allem, wenn ich nach Italien blicke und sehe, was passiert, wenn wir die Lage unterschätzen. Am 21. März 2020 meldet Italien fast 800 Tote - an einem Tag! Als Single ist die Isolation aber viel schwerer, als wenn ich mit meiner Partnerin oder Freunden zusammenwohnen würde.

Sollte ich mein Single-Dasein nach Corona überdenken?

In Deutschland leben laut dem Statistischen Bundesamt knapp 83 Millionen Menschen. Davon sollen rund 18,5 Millionen Singles sein (Stand 2018). Ich bin einer davon und liebe es! Eigentlich. Denn ich kann tun und lassen, was ich will, treffe Freunde, Bekannte und neue Leute immer dann, wenn ich es will. Trotzdem bin ich selten alleine und das wird mir gerade jetzt bewusst. Denn ich weiß trotz meines langjährigen und freiwilligen Single-Daseins einfach nicht, wie es ist alleine zu sein.

Eine Woche bin ich jetzt schon im Homeoffice, denn wir, bei der Mediengruppe RTL, haben die sozialen Kontakte auch bei der Arbeit stark eingeschränkt. Richtig so! Jetzt habe ich weder Kontakt zu Kollegen noch zu Freunden, noch zu meiner Familie. Ich gucke auf meiner Couch Netflix oder TVNOW, arbeite an meinem Esstisch, mache in meinem Wohnzimmer Sport, koche in meiner Küche und schlafe in meinem Schlafzimmer. Immer und ständig alleine. Das nervt! Das ist einsam! Ich wünsche mir im Moment doch in einer Beziehung zu sein oder sogar wieder in einer WG zu wohnen, obwohl ich das bis auf eine Ausnahme nie wirklich mochte. Gerade jetzt wäre es schön einfach soziale Nähe zu haben. Auch Ostern mit meiner Familie wird dieses Jahr ausfallen.

Corona! Was sagt meine Oma (84) dazu?

Kurz vor den extremen Einschränkungen meint meine Chefin zu mir: "Wir erleben gerade Zeitgeschichte." Da hat sie recht. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (65) sagt in ihrer Ansprache an die Nation: "Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt." Knapp 75 Jahre ist der Zweite Weltkrieg nun schon vorbei. Meine Oma (84) hat die Zeit miterlebt. Als ich mit ihr telefoniere, frage ich, ob sie damals auch nicht raus durften. "Wir konnten ganz normal zur Schule gehen und sind auch draußen rumgelaufen. Obwohl wir natürlich beim Fliegeralarm immer in die Bunker oder Keller mussten", sagt sie zu mir und macht mich damit nachdenklich. Ist das bei mir jetzt jammern auf hohem Niveau? Immerhin muss ich nicht in einen Bunker und ich muss auch keine Angst um mein Leben haben. Nicht mal die Klopapierrollen werden knapp – Keine Sorge, liebe Hamsterkäufer, untenrum bleibt trotz Corona alles frisch.

Wir schaffen das – auch die Singles!

"Dass wir diese Krise überwinden werden, dessen bin ich vollkommen sicher", meint Frau Merkel und macht mir damit auch ein bisschen Mut. Vielleicht tut es mir auch ganz gut, all das, was ich am öffentlichen Leben so liebe, zu vermissen. Die ständigen Bar-Besuche, um Kölsch zu trinken (was ich ja eigentlich gar nicht wirklich mag), das Gruppen-Chillen und vor allem die Reisefreiheit lerne ich jetzt, nach gerade mal fünf Tagen sozialer Abstinenz, nochmal mehr zu schätzen. Wenn wir uns an die Regeln halten, kann die ganze Corona-Zeit ja vielleicht sogar etwas Gutes haben. Ich merke schon jetzt, dass ich mit den Supermarkt-Verkäufern neben den schlichten "Hallos", "mit Karte bitte", "Danke, einen schönen Tag noch" gerne auch noch weitere Sätze austausche. Das geht ja leider im Moment nur über FaceTime- oder WhatsApp-Anrufe. Das möchte ich auch nach der Corona-Zeit beibehalten.

Gilt am Ende also doch der Spruch: "Krisen schweißen zusammen"? Und ist vielleicht diese Zeit, diese ekelhafte Corona-Zeit, einfach dazu da, um uns daran zu erinnern, wie schön das öffentliche Leben wirklich ist? Ich hoffe es und kann es kaum erwarten, endlich wieder mit Freunden die Sommerzeit zu genießen.