Wie geht es nach dem Angriff auf Syrien weiter? RTL-Reporter beantworten die wichtigsten Fragen

16. April 2018 - 11:07 Uhr

US-Koalition schießt Raketen auf Chemie-Anlagen

Gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien haben die USA Vergeltung für eine mutmaßliche Giftgasattacke des syrischen Regimes auf Duma, einen Vorort von Damaskus, geübt. Syriens Schutzmacht Russland kündigte Konsequenzen an. Wie geht es jetzt weiter? RTL-Reporter beantworten die fünf wichtigsten Fragen.

Können die Angriffe Syriens Präsident Baschar al-Assad beeindrucken?

Antonia Rados, RTL-Chefkorrespondentin: "Wir können davon ausgehen, dass Assad weiter wie schon seit einem Jahr seinen Siegeszug fortsetzt. In nächster Zukunft wird auch dieser Militärschlag nichts daran ändern."

Damaskus reagierte vermeintlich gelassen: Der Präsidentenpalast postete ein Video, das zeigt, wie Machthaber Assad ruhig ins Präsidentenbüro geht. "Morgen der Standhaftigkeit" heißt es in der Beschreibung. Einen weiteren Kommentar von Assads Seite gibt es nicht.

Wie könnte es weitergehen, wenn Assad trotz des Angriffs wieder Chemiewaffen einsetzt?

Peter Kleim, Korrespondent in Washington: "Die USA haben klargemacht, dass sie in dem Fall ein weiteres Mal zuschlagen werden, um Einsätze von Chemiewaffen zu vergelten. Wichtig ist aber, noch einmal zu betonen: Der aktuelle Einsatz galt nur den Chemiewaffen. Es war kein Einsatz, um den Bürgerkrieg in eine neue Richtung zu lenken oder Assad an den Verhandlungstisch zu bomben. Die Amerikaner haben nur das Interesse, den Einsatz von Chemiewaffen zu unterbinden und den Islamischen Staat in Syrien zu bekämpfen."

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Deutschland lobt die Militärschläge als angemessen, hatte aber eine Beteiligung ausgeschlossen. Wie geht die Bundesregierung mit dem Zwiespalt um?

Lothar Keller, politischer Korrespondent in Berlin: "Merkel verweist darauf, dass die drei Länder, die den Militärschlag durchgeführt haben, ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind – was Deutschland nicht ist. Eine weitere Begründung: In Deutschland müsste der Bundestag zustimmen, was zeitlich kaum möglich gewesen wäre. Innenpolitisch hätte es die Regierung zudem möglicherweise in größere Schwierigkeiten gestürzt, weil eine Mehrheit gerade wegen der Haltung der SPD-Fraktion alles andere als sicher gewesen wäre."

Russland kündigte nach der Attacke Konsequenzen an. Wie könnten die aussehen?

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien reagiert.
Eine Luftabwehrrakete wird während der Luftangriffe der USA, Frankreich und Großbritannien abgefeuert.
© dpa, Hassan Ammar, HA pat

Jan Bulig, Reporter in Moskau: "Um sein Gesicht zu wahren, muss Russlands Präsident Wladimir Putin zumindest symbolisch reagieren. Die russischen Medien spekulieren, dass man eigentlich in der Nacht hätte versuchen müssen, eine der amerikanischen Raketen abzuschießen. Das ist nach unseren Informationen nicht passiert. Eine weitere Möglichkeit wäre, eine Raketen-Abschussrampe zu treffen. Aber das wäre natürlich eine Eskalationsstufe, an der der Kreml kein Interesse haben dürfte. Eine Konfrontation auf dieser Stufe dürfte sich Russland nicht erlauben dürfen. Schon jetzt sind die wirtschaftlichen Sanktionen der USA ein großes Problem für Russland, der Rubel hat stark nachgegeben. Deshalb ist eine militärische Konfrontation eher unwahrscheinlich."

Bislang hat Putin eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrates gefordert.

Wie geht Amerika mit Russlands Drohung um?

Peter Kleim: "Befürchtet wird, dass sowohl Russland als auch der Iran den Schlag vergelten könnten, wenn sie sich provoziert fühlen. Es gäbe eine Vielzahl an Zielen: Die Amerikaner haben 2.000 Soldaten in Syrien stationiert, um gegen den IS zu kämpfen. Im Nahen Osten gibt es zudem eine Vielzahl an amerikanischen Militärbasen. Vom Iran unterstützte Milizen könnten dort angreifen. Außerdem rechnen die Amerikaner mit Cyberangriffen, die darauf abzielen, amerikanische Infrastruktur oder Militäreinrichtungen oder auch Wirtschaftseinrichtungen lahmzulegen."