Wie gefährlich kann Erdogan für uns werden? Drei Fragen an RTL-Türkei-Korrespondentin Kavita Sharma

07. März 2017 - 7:17 Uhr

Viele Deutsche fragen sich: Wie weit kann und darf Erdogan gehen?

Recep Tayyip Erdogan - der Mann, über den sich Deutschland aufregt. Unter anderem wegen solcher Sätze: "Ich dachte, dass der Nationalsozialismus in Deutschland beendet ist. Dabei dauert er immer noch an." Mit dieser Aussage meint Erdogan die Beschneidung seiner Redefreiheit. Denn die Bundesregierung will nicht, dass in Deutschland Wahlkampfauftritte für Erdogans Verfassungsänderung stattfinden. Die würde ihn - der schon jetzt tausende Oppositionelle verhaften ließ - noch mächtiger machen. Viele Deutsche fragen sich jetzt: Wie weit kann und darf Erdogan gehen? Kavita Sharma, RTL-Reporterin in Istanbul, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Müssen wir in Deutschland vor Erdogan Angst haben?

Erdogan sagt, dass er jederzeit nach Deutschland kommen kann, wenn er will. Ist das wirklich so?
"Die Bundesregierung hat gesagt, dass sie kein Einreiseverbot für türkische Politiker plant. Also auch keines für Präsident Erdogan. Sollte er kommen, müsse das aber offen angekündigt werden."

Wenn wir jetzt nicht machen, was Erdogan will, stehen dann Millionen Flüchtlinge vor unserer Tür?
Das Problem: Deutschland und der ganze Rest der EU sind abhängig von Erdogan. Denn die Türkei lässt seit einem Jahr keine Flüchtlinge mehr Richtung Europa ziehen und droht diesen Deal immer wieder platzen zu lassen. Interessanterweise war das zuletzt aber kein Thema mehr. Das kann sich natürlich schnell wieder ändern. Aber es ist unwahrscheinlich, dass es eine neue Flüchtlingswelle nach Europa gibt."

Erdogan hat gesagt: Wenn er nicht nach Deutschland kommen darf, möchte er die Welt aufmischen. Heißt das, dass er mit uns Krieg will?
"Präsident Erdogan möchte sicherlich keinen Krieg. Aber die Krise zwischen Deutschland und der Türkei würde sich verschärfen", vermutet Sharma. Die diplomatischen Beziehungen würden auf den Gefrierpunkt abstürzen. Und es würde einiges diplomatisches Geschick erfordern, um die Wogen wieder zu glätten.

Hunde, die bellen, beißen nicht - dieses Sprichwort trifft auf Erdogan zwar nicht zu. Trotzdem: Wir haben keinen Grund, vor diesem Mann Angst zu haben. Und schon gar nicht, unsere demokratischen Werte zu verraten.