Wie gefährlich ist das Gasleck auf der Bohrinsel 'Elgin'?

31. März 2012 - 20:07 Uhr

Total: Gas trete oberhalb der Wasseroberfläche aus

Wie gefährlich ist das Gasleck auf der Förderplattform 'Elgin' in der Nordsee? Das Unternehmen Total hat mit einer schnellen Evakuierung reagiert. Über die Auswirkungen auf die Umwelt gehen die Meinungen auseinander.

Wie gefährlich ist das Gasleck auf der Bohrinsel 'Elgin'?
Die Gasplattform 'Elgin' des französischen Energiekonzerns Total in der Nordsee.
© dpa, Total

Die Idylle trügt: Fast friedlich liegt die Förderplattform 'Elgin' in der Nordsee, 240 Kilometer von der schottischen Ostküste entfernt. Die Sonne scheint, die See ist ungewöhnlich ruhig für die Jahreszeit. Dennoch darf sich kein Mensch, kein Schiff, kein Flugzeug der Plattform nähern. Wer es tut, riskiert mitsamt der ganzen 40.000 Tonnen schweren Bohrinsel in die Luft zu fliegen - ein Funke kann genügen.

Nach Bekanntwerden des Gaslecks machte die Betreiberfirma das einzig Richtige: Die Plattform wurde sofort heruntergefahren, alle 238 Arbeiter mit Hubschraubern an Land gebracht. Eine menschliche Tragödie wie vor zwei Jahren im Golf von Mexiko, als bei der Explosion der 'Deepwater Horizon' elf Arbeiter starben, wurde damit verhindert.

Der Plattformbetreiber Total hat mittlerweile den Ort des Gaslecks präzisiert. Das Gas komme aus einer Gesteinsformation 4.000 Meter unter dem Meeresboden, trete aber oberhalb der Wasseroberfläche aus, sagte ein Total-Sprecher in Aberdeen. Das Leck befinde sich ungefähr 25 Meter über der Wasseroberfläche. "Das Leck befindet sich am Kopf der Bohrung - am oberen Ende des Bohrlochs", sagte der Sprecher. "Es ist nicht unter Wasser. Es gibt kein Gas, das im Meer Blasen schlägt und es ist auch nicht giftig", sagte er.

Zuvor hatte der Energieriese seine Strategie im Umgang mit dem Gasleck verteidigt. Das Abfackeln von Gas sei Teil der Sicherheitsstrategie und habe sich absolut bewährt, sagte eine Total-Sprecherin am Donnerstag in Aberdeen. Das Brennen der Gasfackel über der Plattform gilt aber gleichzeitig als Sicherheitsrisiko, weil eine Berührung mit der Gaswolke zur Explosion führen könnte.

Die Flamme werde in den nächsten Tagen vermutlich von selbst ausgehen, sobald nicht mehr genügend Gas in den Rohren ist, um sie zu speisen, sagte eine Sprecherin. Alternativ werde nach Wegen gesucht, sie zu löschen, sollte sie länger brennen. So lang die Flamme aktiv ist, bestehe Explosionsgefahr. Dadurch werde die Untersuchung der Plattform und des möglichen Lecks noch erschwert.

Total hofft, dass die Quelle von alleine versiegt

Total vermutet mittlerweile das Leck gefunden zu haben: "Wir glauben, wir wissen wo es ist, sagte der Sicherheitschef für Großbritannien des französischen Total-Konzerns, David Hainsworth. Demnach befindet sich das Leck an einer vor einem Jahr stillgelegten Gasquelle, die 5.500 Meter unter den Meeresboden reicht. Die undichte Stelle befinde sich in etwa 4.000 Metern Tiefe unter dem Meeresboden.

Vorsichtshalber seien zwei Feuerwehrschiffe zum Löschen in Stellung gebracht worden. Neben einem Überwachungsschiff mit Unterseetechnik sind dies die einzigen Schiffe, die in die Zwei-Meilen-Sperrzone gelassen werden.

Total hofft, dass die Quelle bald von alleine versiegt. "Das wäre der Königsweg", sagte eine Sprecherin. Sollte dies nicht eintreten, müsse entweder eine Monate dauernde Entlastungsbohrung unternommen oder das Bohrloch von oben mit schwerem Schlamm verstopft werden. Ein solcher 'Kill' geht schneller, ist aber risikoreicher als eine Entlastungsbohrung. "Wir haben externe Experten hinzugezogen, die wir unter Vertrag haben", sagte die Total-Sprecherin. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Bis dahin würden alle Optionen parallel vorangetrieben.

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