Die größten Fußball-Meutereien der Geschichte

Wie Mainz: Wenn die ganze Mannschaft streikt

WM Frankreich 2010
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24. September 2020 - 13:11 Uhr

Franck Ribery und Co: Die Mainzer Vorgänger

Fußball-Revolte beim FSV Mainz: Am Mittwoch weigerten sich die Spieler des Mainz 05 am Training teilzunehmen. Auslöser war laut Club "emotionale Diskussionen innerhalb der Mannschaft um Adam Szalai, der am Nachmittag nicht mit der Profimannschaft trainieren sollte". Es ist nicht das erste Mal, dass sich Spieler gegen die Verantwortlichen auflehnen. Drei der größten Meutereien in der Übersicht.

MEUTEREI BEIM FC BAYERN

Es ist der 17. März 1979, ein Samstag, und am Frankfurter Flughafen sinnen die Spieler von Bayern München auf Meuterei. Auf der Rückreise von einem 0:0 bei Eintracht Braunschweig haben sie gerade mit Schrecken vernommen, dass Max Merkel auf Wunsch von Präsident Wilhelm Neudecker Nachfolger des zweieinhalb Wochen zuvor entlassenen Trainers Gyula Lorant werden soll. Kapitän Sepp Maier und Paul Breitner ergreifen die Initiative, lassen die Mannschaft abstimmen. Das Ergebnis: 16:0 gegen Merkel. "Der Merkel ist morgen um 10 an der Säbener - und wir machen frei", kündigt Breitner an - dann ruft er bei Neudecker an und sagt ihm: Mit einem Grantler wie Merkel wolle man nichts zu tun haben, "am besten, sie treten zurück". Neudecker tritt aus Protest zurück - sogar die "Tagesschau" berichtet. Breitner übernimmt das Kommando, setzt durch, dass Interimstrainer Pal Csernai bleiben darf. Ab 1. April zieht dann der neue Manager Uli Hoeneß die Strippen - geduldet von Präsident Willi O. Hoffmann.

AUFSTAND BEIM CLUB

Der 28. Oktober 1984 war ein Sonntag. Beim 1. FC Nürnberg, im Mai abgestürzt aus der Bundesliga, hat der zum Jahreswechsel verpflichtete Trainer Heinz Höher nach dem 1:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen ein Straftraining angesetzt. Um sechs Uhr morgens. Im Anschluss daran beschließt die Mannschaft einstimmig, mit einem offenen Brief an die Presse zu gehen, darin werden unter anderem die Trainingsmethoden von Höher und dessen gestörtes Verhältnis zu den Spielern scharf kritisiert. Wieder einen Tag später nehmen nur fünf Spieler am Training teil, die anderen streiken. Der erst seit Kurzem amtierende junge Präsident Gerd Schmelzer greift durch - und entlässt die Rädelsführer Udo Horsmann, Rudi Kargus, Stefan Lottermann und Horst Weyerich, zudem die Mitläufer Manfred Walz und Detlef Krella. Thomas Brunner, ebenfalls einer der Anstifter, wird begnadigt, weil er Abbitte leistet. Mit einer blutjungen Mannschaft um die späteren Nationalspieler Stefan Reuter, Hansi Dorfner und Dieter Eckstein macht Höher weiter - und steigt am letzten Spieltag in die Bundesliga auf.

epa02213009 French Coach Raymond Domenech reads a statement prepared by the team to the media gathered at the training pitch in Knysna, South Africa, 20 June 2010. The team arrived at a open training and greeted members of the public, only to then re
Legendäre Szenen 2010: Coach Raymond Domenech verliest das Statement der Spieler.
© dpa, Johann Hattingh

FRANZÖSISCHE WM-REVOLTE

Auslöser des Skandals um die französische Nationalmannschaft bei der WM 2010 in Südafrika ist ein Disput zwischen Trainer Raymond Domenech und Stürmer Nicolas Anelka in der Pause des Spiels gegen Mexiko am 17. Juni. Anelka beleidigt daraufhin Domenech, dieser wechselt den Spieler aus, das Spiel endet mit 0:2. Zwei Tage später berichtet die "L'Equipe" über den Vorfall. Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes fordert von Anelka eine Entschuldigung. Als dieser sich weigert, wird er aus dem Quartier in Knysna nach Hause geschickt. Aus Solidarität mit Anelka bestreiken seine Kollegen ein Training, die dazu verfasste Erklärung der Spieler verliest der nicht nur bei der Mannschaft umstrittene und ungeliebte Domenech. Zu den sechs ausgemachten Rädelsführern gehört auch Franck Ribery von Bayern München. Am 22. Juni scheiden die Franzosen in der Vorrunde aus. "Le fiasco de Knysna" versetzt das ganze Land in Aufruhr. Ein Trauma ist es bis heute.

RTL.de/sid