Wann kommt das Ende der Corona-Regeln?

Wie die Politik jetzt an einer Strategie nach Corona arbeitet

Ein Radfahrer an der Siegessäule während der Corona-Pandemie am 24.03.2020 *** A cyclist at the Victory Column during th
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26. März 2020 - 15:29 Uhr

von Susanne Ungrad (Hauptstadtstudio Berlin)

Ein Modell, welches immer wieder als Gerücht auftaucht, ist wohl in dieser Form vom Tisch: Die Ü60-Generation muss langfristig zum eigenen Schutz zu Hause bleiben und die Jüngeren allein dürfen sich bald wieder überall vergnügen. Gegen solche vereinfachten Lösungen stemmen sich auch Virologen - und noch hören die Politiker auf ihren Rat. Aber so langsam werden erste politische Stimmen laut, die auf ein Ende der Corona-Maßregelungen schauen. Wie kann Deutschland irgendwann wieder in die Normalität zurückkehren?

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"Es wird eine Zeit nach Corona geben"

Die meisten Menschen halten sich an die Regeln - wenig nach draußen und Abstand einhalten. Doch auch der Gesundheitsminister Jens Spahn weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit, das kann kein Dauerzustand sein. Nicht für den Einzelnen und schon gar nicht für die Wirtschaft.

Zusammen mit Experten aus der Medizin sind jetzt Arbeitsgruppen ins Leben gerufen worden, die verschiedene Modelle durchspielen.

Zum Beispiel bezogen auf bestimmte Regionen als Modell

  • Wie ist die Demographie, also wieviel Junge und Ältere wohnen in der Region?
  • Wie hoch ist die Zahl der Infizierten?
  • Wie hoch ist bereits die Immunisierung?

"Es wird eine Zeit nach Corona geben. Eine Zeit, in der wir gegen das Virus weiter kämpfen, aber das Leben Schritt für Schritt weiter normalisieren," sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der Bundespressekonferenz. Er will einen Plan noch vor Ostern vorlegen.

Besonders Gefährdete brauchen spezielle Lösungen

26.03.2020, Berlin: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht auf einer Pressekonferenz zum Thema Bekämpfung des Coronavirus. Foto: Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Coronavirus - Pressekonferenz mit dem Bundesgesundheitsminister
© dpa, Annegret Hilse, axs

Sicher ist, für besonders Gefährdete muss es spezielle Lösungen geben, damit die Todeszahlen nicht weiter steigen.

Möglich ist, dass Schulen wieder in Betrieb gehen und die Kinderbetreuung gewährleistet ist.  (Wie das aussehen könnte, hat Virologe Timo Urichs bei uns im Corona Frühstart spezial erörtert) Auch Restaurants könnten wieder öffnen. Großveranstaltungen mit vielen Menschen werden wohl eher noch nicht so schnell statt finden.

Und was noch länger bleiben könnte, sind die so oft besprochenen Abstandsregeln.

Mehrere Bundesländer wie Sachsen arbeiten daran, dass bis Ostern jeder Bürger mit Masken versorgt werden kann. Ministerpräsident Kretschmer hält Ostern auch für einen wichtigen Stichtag:

"Für uns hier in Sachsen ist Ostern das Datum, an dem wir Bilanz ziehen wollen und wenn wir es geschafft haben, in dieser Zeit eine Abschwächung der Infektionskurve zu erreichen, dann wissen wir, diese Maßnahmen wirken. Dann kann man langsam wieder mit dem Beginn des Lebens anfangen, dass wir Geschäfte wieder öffnen und dass man sich auch wieder treffen kann", sagt er im RTL-Gespräch.

WHO warnt vor verfrühtem Abbruch der Maßnahmen

Es ist eine soziale, aber auch eine wirtschaftliche Frage, so Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Deshalb gehe es nicht nur um die Interessen der Bürger, sondern auch darum, wie unsere Wirtschaft die Krise überlebt.

Schon jetzt wird es ein Minuswachstum geben. Und je länger nur eingeschränkt gearbeitet und produziert werden kann, desto katastrophaler die Lage. Die Bundesregierung unterstützt zwar mit Milliarden, doch auch diese Geldströme können nur endlich sein.

"Umso mehr wie wir uns alle erst einmal an das halten, was vorgegeben ist, umso mehr können wir über Lockerungen reden", sagt Spahn weiter.

Hessens Ministerpräsdent Volker Bouffier hält es jetzt für verfrüht, über einen Ausstieg nachzudenken: "Ich glaube, dass wir über die nächsten vier, sechs Wochen kommen und dann müssen wir sehen, wo wir stehen", sagt er im RTL-Interview.

Ein Ausstiegsplan aus den Maßnahmen, die zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen wurden, wird kommen - spätestens vor Ostern. Aber wohl nicht viel eher. Die Weltgesundheitsorganisation warnt bereits vor einem zu frühen Ausstieg.