Wie blutig war der Irak-Krieg wirklich?

© dpa, Srdjan Suki

24. Oktober 2010 - 17:07 Uhr

Clinton schäumt vor Wut

Die Internetplattform 'Wikileaks' macht bisher geheime Akten der US-Armee öffentlich und sorgt damit für Wut bei der US-Regierung. 109.000 Tote, davon weit mehr als 60.000 Zivilisten, 15.000 bisher unbekannte Opfer. Das sind die Zahlen, die aus den Dokumenten hervorgehen.

'Wikileaks'-Gründer Julian Assange rechtfertigte die Bloßstellung der amerikanischen Streitkräfte. Die Papiere seien klare Beweise für Kriegsverbrechen, sagte er. 'Wikileaks' stellte nach eigenen Angaben 391.832 geheime Berichte der US-Streitkräfte ins Netz.

US-Außenministerin Hillary Clinton reagierte wütend auf die Enthüllungen. Die nationale Sicherheit der USA und die ihrer Verbündeten sei bedroht, sagte sie. Auch das Verteidigungsministerium in Washington reagierte empört. "Indem solch sensible Dokumente zugänglich gemacht werden, setzt 'Wikileaks' weiter das Leben unserer Soldaten, unserer Verbündeten und von Irakern und Afghanen aufs Spiel, die für uns arbeiten".

Assange sagte dazu, die Dokumente seien redaktionell so bearbeitet worden, dass niemand gefährdet werde. 'Wikileaks' hatte bereits im Juli 90.000 geheime Dokumente zum Afghanistan-Krieg öffentlich gemacht. "Wir haben keine Berichte darüber, dass irgendjemand aufgrund der Veröffentlichungen verletzt wurde", sagte Assange.

"Beängstigendes Porträt der Gewalt"

Wie blutig war der Irak-Krieg wirklich?
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Der Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation 'Iraq Body Count', John Sloboda, der gemeinsam mit Assange in London auftrat, sagte, ein großer Teil der Daten stamme aus Berichten von US-Soldaten. "Es ist gut, dass es die Daten gibt, aber es ist schlecht, dass sie geheim gehalten wurden", sagte er. Die beschriebenen Folterungen und Hinrichtungen seien von den Alliierten nicht verfolgt worden, sagte Sloboda.

Die Dokumente enthüllen, dass im Irak mindestens 15.000 Zivilisten mehr getötet wurden als bisher bekannt. 'Wikileaks' zitierte Augenzeugen mit den Worten: "Die einzigen Grenzen, die es gab, waren die Grenzen der Vorstellungskraft." In der Mehrzahl der Fälle gehe es um Taten von Irakern an Irakern. Die 'New York Times' spricht von einem "beängstigenden Porträt der Gewalt".

Assange kündigte weitere Enthüllungen seiner Plattform an, obwohl die US-Regierung unter Präsident Barack Obama aus seiner Sicht daran arbeite, den Handlungsspielraum mit neuen Gesetzen weiter einzuengen. "Wir machen weiter", sagte Assange.

Die irakische Regierung tat die Veröffentlichung als "PR-Kampagne politischer Gegner" ab. Die Dokumente enthielten "keinen einzigen Beweis dafür, dass sich die irakische Regierung oder Ministerpräsident Nuri al-Maliki persönlich unpatriotisch verhalten haben", ließ die Regierung in Bagdad erklären. Die Dokumente der US-Armee belegen, dass auch Al-Maliki unterstellte Einheiten an Misshandlungen beteiligt waren.

Der Irak-Krieg begann im März 2003 mit der Invasion der USA, Großbritanniens und verbündeter Staaten. Deutschland, Frankreich und Russland stellten sich gegen die sogenannte Koalition der Willigen. Der Feldzug war nicht durch den UN-Sicherheitsrat abgesegnet. US-Präsident Barack Obama erklärte den Krieg am 31. August 2010 für offiziell beendet.