Wie bitte? Diabetiker soll drei Jahre auf Facharzttermin warten

8. September 2016 - 11:12 Uhr

Wie kann so etwas passieren?

Was Sigmar Hausmann aus Meißen (Sachsen) passiert ist, klingt unglaublich: 1.159 Tage, also satte drei Jahre, soll der Diabetiker auf einen Facharzttermin warten, obwohl der Rentner schwer krank und auf die Untersuchung angewiesen ist. Wie kann so etwas passieren?

Aber von vorn: Seit drei Jahren leidet Hausmann an Diabetis Typ zwei. Wegen schlechter Blutwerte schickte seine Hausärztin ihn zum Internisten. Am 29. August 2016 zog der Diabetiker los und fragte bei einem Facharzt nach einem Termin für eine Ultraschalluntersuchung: "Ich hätte noch einen Termin am 11.11.", antwortete ihm der Arzt. Hausmann stimmte zu, beschwerte sich aber gleich darüber, dass er noch über zweieinhalb Monate warten müsse. Doch was der Rentner daraufhin zur Antwort bekam, machte ihn fassungslos: "Naja, wir reden vom Jahr 2019." Ein Arzttermin für eine wichtige Untersuchung in drei Jahren?

"In dreieinhalb Jahren bin ich vielleicht schon tot", konterte der Patient. Doch der Terminvorschlag war offenbar ernst gemeint, denn er wurde sogar aufgeschrieben: Behandlung am 11.11.2019! Dabei leidet Sigmar Hausmann unter einer gefährlichen Krankheit, hat unter anderem Bluthochdruck und bekommt schlecht Luft. Die Untersuchung braucht er, um in einer Spezialklinik weiterbehandelt zu werden - und zwar besser nicht erst in drei Jahren.​

Termin verstößt gegen das Gesetz

Sigmar Hausmann kann es kaum fassen.
11.11.2019 - Erst dann bekommt Sigmar Hausmann den nächsten Termin.
© RTL

"Ich fühle mich im Moment nicht sehr gut, das Schwindelgefühl ist da. Ich habe am Wochenende kaum etwas gegessen und auch gelegen, besonders in den letzten drei Monaten ging es mir nicht gut", erzählt der Rentner. Seine Beschwerden sind also akut, eine Untersuchung dringend nötig.

In der Regel  bekommen in Deutschland rund 80 Prozent aller Patienten innerhalb eines Monats einen Facharzttermin. Und das ist auch gesetzlich vorgeschrieben. Denn bei dringenden Untersuchungen muss der Facharzt innerhalb von vier Wochen einen Termin anbieten. Heike Morris von der 'Unabhängigen Patientenberatung Deutschland' erklärt: "Man braucht von seinem Hausarzt eine Überweisung zum Facharzt, wo der Dringlichkeitsvermerk drauf ist. Man ruft den Facharztterminservice an. Dieser ist verpflichtet, innerhalb einer Woche einen Facharzt zu benennen, zu dem man innerhalb von vier Wochen gehen kann." Der Nachteil ist jedoch, dass der behandelnde Arzt auch eine Stunde Fahrtzeit entfernt sein kann.

Auch bei der Beratungsstelle können die Patienten anrufen und um Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Facharzt helfen lassen. Generell gilt jedoch: wer akut gefährdet ist, hat auch Anspruch auf eine sofortige Behandlung.

Gemeinsam mit seiner Hausärztin versucht Sigmar Hausmann, einen Termin bei einem anderen Arzt zu bekommen.