Wie „13 Reasons Why“: In diesen Serien wurden umstrittene Szenen gestrichen

© Beth Dubber/Netflix, SpotOn

18. Juli 2019 - 12:01 Uhr

Zweite Schnittversion

Netflix hat sich auf Anraten von Medienexperten dazu entschieden, eine Suizid-Szene aus der Erfolgsserie "Tote Mädchen lügen nicht" (Original: "13 Reasons Why") zu entfernen... Zu anstößig, beleidigend oder werblich: Auch Szenen aus anderen Serien oder Filmen der vergangenen Jahre wurden aufgrund von anhaltender Kritik entfernt.

"Bird Box"

Erst kürzlich musste Netflix eine weitere Produktion in den Schnittraum zurückschicken: Im Horrorfilm "Bird Box" mit Sandra Bullock (54) baute der Streamingdienst Aufnahmen eines echten Zugunfalls aus dem Jahr 2013 ein, als ein mit Öl beladener Zug in der kanadischen Stadt Lac-Mégantic aus der Region Quebec entgleiste und bei einer Explosion 47 Menschen ums Leben kamen.

Im Januar hatte das kanadische Parlament den Streamingdienst für das Verwenden der Aufnahmen gerügt und deren Entfernung gefordert. Netflix entschuldigte sich, zeigte sich aber erst im März dazu bereit, die Szenen zu entfernen. "Diese Entscheidung wurde herbeigesehnt aus Respekt für die Opfer dieser schrecklichen Tragödie, ihrer Familien und der gesamten Gemeinschaft von Lac-Mégantic", erklärte Quebecs Kulturministerin Nathalie Roy danach via Twitter.

"Pastewka"

Auch Streamingdienst-Konkurrent Amazon Prime musste eine seiner Eigenproduktionen im Nachhinein anpassen. Eine "Pastewka"-Episode aus Staffel acht sei von "häufigen und intensiven Darstellungen und Erwähnungen" der Elektrofachmarkt-Kette Media Markt geprägt, die "nicht programmlich-dramaturgisch begründbar" seien, kritisierte die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) im Januar dieses Jahres. Bei einer außergerichtlichen Einigung im April 2019 versprach Amazon Prime eine neue Schnittfassung der Comedyserie mit Bastian Pastewka (47) und entfernte Szenen mit zu viel Media-Markt-Branding.

"Toy Story 2"

Nach den Belästigungs- und Missbrauchsskandalen in Hollywood hat Disney eine Szene in einem seiner Klassiker überdacht - und gehandelt. Im Abspann zu "Toy Story 2", der 1999 noch weit vor der #MeToo-Debatte veröffentlicht wurde, verspricht die Figur Stinke-Piet zwei hübschen Barbiepuppen einen Part im nächsten "Toy Story"-Film und streicht einer von ihnen kurz darauf über die Hand. In einer 4K-Blu-ray-Neuveröffentlichung des Films, die in diesem Jahr in den USA erschienen ist, verzichtete Disney auf die Szene. Der vierte "Toy Story"-Teil kommt am 15. August in die deutschen Kinos.

"Aquaman"

Auch kulturelle Unterschiede können dazu führen, dass Filme zumindest in bestimmten Ländern ohne einzelne Szenen auskommen müssen. In "Aquaman" (2018) verpasst Mera (Amber Heard) ihrem Schwarm Aquaman (Jason Momoa) einen leidenschaftlichen Kuss. Kinobesuchern in Indonesien und Saudi-Arabien blieb diese Szene vorenthalten. Die "neue" Kinoversion war deshalb auch eine Minute kürzer. "Rerelasenews" vermutete, dass die Szene zensiert wurde, da die Turteltauben nicht verheiratet sind und ihr Kuss vor Ort daher als sittenwidrig und unmoralisch gilt.

"Polizeiruf 110"

Manchmal reichen auch nur kleine Details aus, dass Serienmacher Szenen zwar nicht gänzlich ins Nirvana schicken, jedoch einer weiteren Bearbeitungsschleife unterziehen. Im November 2018 nahm der Norddeutsche Rundfunk (NDR) eine Szene aus einem "Polizeiruf 110" genau unter die Lupe und entfernte für eine weitere Ausstrahlung einen Anti-AfD-Aufkleber mittels digitaler Bildbearbeitung. In Filmen mit einer frei erfundenen Handlung ist es üblich, keine real existierenden Parteinamen zu verwenden", teilte eine NDR-Sprecherin mit.

"Game of Thrones"

In "Game of Thrones" sorgte ein versehentlich abgestellter Kaffeebecher für große Aufregung bei den Fans der HBO-Serie: Der To-Go-Becher der Kette Starbucks passte so gar nicht in das mittelalterliche Ambiente der Produktion. Die Macher reagierten schnell und entfernten den Becher aus der Version, die für künftige Ausstrahlungen verwendet wird. In der allerletzten Episode sorgte außerdem noch eine Wasserflasche aus Plastik, die auf dem Boden abgestellt war, für reichlich Spott bei den Fans.

Sie haben es gar nicht erst geschafft

Für die Regisseure eine harte Bestrafung: Viele Filmszenen fielen bereits vor ihrer Veröffentlichung auf der großen Kinoleinwand der Schere zum Opfer. Berühmte Beispiele: In "Deadpool" (2016) musste eine anrüchige Bar-Szene weichen, in "Marvel's the Avengers" (2012) wurde die Todesszene von Agent Coulson (Clark Gregg) entschärft und in "Gangster Squad" (2013) verzichteten die Filmemacher auf die Szenen einer Kino-Schießerei, nachdem in Colorado zwölf Menschen während einer Kinovorführung von "The Dark Knight" getötet wurden.

Einige Regisseure haben bereits selbst bei der Bearbeitung der finalen Kinofassung eine Vorahnung, wenn Szenen für ein breites Publikum nicht geeignet sein könnten. So hielt Regisseur David Gordon Green (44) Szenen für die finale Schnittfassung von "Halloween" (2018) zurück, in der sich Michael Myers einen Hund vornimmt, den er schließlich tot an einen Ast hängt.

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