Widerstand aus dem Weißen Haus: Regierungsmitarbeiter arbeiten aktiv gegen Donald Trump, um Schlimmeres zu verhindern

06. September 2018 - 14:13 Uhr

Aktiver Widerstand gegen Donald Trump

Ein anonymer Regierungsmitarbeiter schreibt einen explosiven Gastbeitrag in der "New York Times". Demnach leisten er und andere in der Verwaltung aktiv Widerstand gegen Präsident Trump, um Schlimmeres zu verhindern. Trump tobt - und will wissen, wer das geschrieben hat.

Ungewöhnlich: "New York Times" veröffentlicht Werk ohne Autor

Um Schaden vom Land abzuwenden, vereiteln hochrangige Mitarbeiter der US-Regierung nach eigenen Angaben bewusst die Umsetzung von Plänen von Präsident Donald Trump. Die "New York Times" veröffentlichte am Mittwoch in einem außergewöhnlichen Schritt einen anonymen Gastbeitrag eines Regierungsmitarbeiters. Dort heißt es: "Wir werden tun, was wir können, um die Regierung in die richtige Richtung zu lenken, bis es - auf die eine oder andere Art und Weise - vorbei ist." Trumps Handeln sei "dem Wohlergehen unserer Republik abträglich".

Ungewöhnlich ist zum einen, dass die "New York Times" einen Gastbeitrag ohne Namen veröffentlicht. Unüblich es aber auch, dass ein Mitarbeiter der US-Regierung sich an eine (von Trump noch dazu verachtete) Zeitung wendet, um zu verkünden, dass es aktiven "Widerstand" gegen den Präsidenten gibt. Die "New York Times" kennt eigenen Angaben zufolge den Namen des Autoren. Die Redaktion argumentiert, die anonyme Veröffentlichung sei die einzige Möglichkeit, ihn zu schützen und den Lesern zugleich "eine wichtige Sichtweise zu übermitteln".

Donald Trump kocht vor Wut

Regelmäßig wettert der Präsident gegen die Verwendung anonymer Quellen in Medien. Das hängt damit zusammen, dass deren Aussagen selten schmeichelhaft für ihn sind. Trump selbst kocht einmal mehr vor Wut und wies nun auch den Gastbeitrag als "anonym, das heißt feige" zurück. Auf Twitter schrieb er später in Großbuchstaben: "VERRAT?" Und in einem weiteren Tweet forderte der Präsident, die "New York Times" müsse den anonymen Autor aus Gründen der Nationalen Sicherheit "sofort der Regierung aushändigen" - falls er denn tatsächlich existiere.

Unpassender hätte dieser Artikel für ihn wohl nicht kommen können. Am Dienstag hatten Auszüge des neuen Buches von Watergate-Enthüller Bob Woodward das Weiße Haus in Unruhe versetzt. Am 11. September wird das "Fear" erscheinen - Trump nennt es eine "erfundene Geschichte". Auch in dem Buch werden Zweifel daran geweckt, ob der Präsident eigentlich die Kontrolle im Weißen Haus hat. Woodward schreibt, der damalige Wirtschaftsberater Gary Cohn habe "einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen", mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea habe aufkündigen wollen.

Das Motiv, wonach Mitarbeiter Pläne Trumps sabotieren, um Schlimmeres zu verhindern, dominiert auch den anonymen Gastbeitrag: "Das Dilemma - welches er nicht ganz versteht - ist, dass viele hochrangige Mitarbeiter in seiner eigenen Regierung von innen heraus unablässig daran arbeiten, Teile seines Programms und seiner schlimmsten Neigungen zu verhindern. (...) Ich bin einer von ihnen."