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Wickeltische auch auf Männer-Toiletten: Auch Deutschland fehlt ein Wickel-Gesetz!

Wickeltische auch auf Männer-Toiletten: Auch Deutschland fehlt ein Wickel-Gesetz!

Wickeltische jetzt auch in Herrentoiletten Durchbruch in New York
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Durchbruch in New York
Wickeltische jetzt auch in Herrentoiletten

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Wickeln - in öffentlichen Cafès immer noch Frauensache

Auf dem Klo gibt es keine Gleichberechtigung – zumindest wenn es um das Thema Wickeln geht. Denn Wickeltische auf Herrentoiletten sind etwa so selten zu finden wie weiße Trüffel. Und dass, obwohl immer mehr Männer in Elternzeit gehen oder sich überhaupt gerecht mit der Mutter um den Nachwuchs kümmern

Von Merle Wuttke

Obama setzt Wickeltisch-Pflicht für Männertoiletten durch

Ah, Obama. Ich liebe diesen Mann. Er ist so modern, souverän und zukunftsorientiert. Schade, dass er bald abtreten muss. Aber wie gut, dass er vorher noch ein paar wichtige Dinge unterschreibt. Wie etwa den BABIES Act (Bathrooms Accessible in Every Situation Act), ein Gesetz, das in den USA nun vorschreibt, dass sowohl in Damen- wie auch in Herrentoiletten ab jetzt Wickelstationen vorhanden sein müssen. Denn auch in Amerika ist es, genauso wie bei uns, leider nach wie vor keine Selbstverständlichkeit, dass öffentlich zugängliche Einrichtungen Vätern die Möglichkeit geben, ihre Kinder in der Toilette wickeln zu können. Das diese Aufgabe eben nicht ausschließlich die der Mutter ist, scheint in Behörden, Kaufhäusern und Vereinen noch nicht angekommen zu sein.

Auch Hollywoodstar Ashton Kutcher, der seit knapp zwei Jahren Vater ist, war dieser Missstand ein Dorn im Auge: 2015 startete er deshalb eine Petition auf Change.org, in der dazu aufrief, dass Unternehmen auch in Männertoiletten Wickelstationen einrichten sollten. In einem Interview sagte er unter anderem dazu: „Ich möchte, dass meine Tochter eine Welt kennenlernt, in der das Geschlecht einem nicht die Verantwortlichkeiten diktiert oder die eigenen Möglichkeiten beschränkt. Wickeltische in Männertoiletten ist nur ein winziger Schritt gegen Geschlechterdiskriminierung.“ In Zeiten, in denen immer mehr Väter Elternzeit nehmen und es für viele eine Selbstverständlichkeit ist, sich gleichberechtigt die Familienarbeit zu teilen, ist das in der Tat ein unfassbarer Anachronismus.

Nur wenige Einrichtungen haben Wickeltische in Männer-Toiletten

Bislang kann man sich als Vater nämlich nur bei wenigen öffentlichen Einrichtungen sicher sein, dort auch Wickeltische vorzufinden, die man als Mann benutzen darf. Unser schwedisches Lieblingskaufhaus mit den vier großen Buchstaben etwa gehört dazu. Und ja, auch in Großstädten haben manche, moderner eingestellte Cafébetreiber die Zeichen der Zeit erkannt, und bieten eine Uni-Sex-Toilette samt Wickelstation an. Aber ansonsten? Herrscht große Dürre in der Nasszellenlandschaft. Das heißt, dass Vater und Kind sich für das Erledigen des Geschäfts nur selten zurückziehen können, sondern das Ganze da abwickeln müssen, wo sie sich gerade aufhalten. Mein Mann jedenfalls hat unsere Kinder schon auf Motorhauben, Parkbänken, Liegestühlen im Schwimmbad und in Umkleidekabinen gewickelt. Das ist weder für die Privatsphäre vom Kind besonders förderlich noch erfreulich für Nichtbeteiligte. Allein der Duft einer vollen Windel...

Außerdem sollte es für eine zukunftsorientierte Gesellschaft, in der auch gleichgeschlechtliche Paare Familien gründen, ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein, den Wickeljob nicht ausschließlich dem weiblichen Geschlecht zuzuschreiben. Wieso stellt man nicht einfach sämtliche Toiletten auf eine Uni-Sex-Variante um, in der es dann auch ein Familienklo gibt? Mit Wickeltisch und sanitären Anlagen für Kinder (auch das ist nämlich auch ein Problem). Also Frau Merkel, ein „Wickel-Gesetz“ – das wäre doch mal eine wirklich gute Idee!