WHO warnt vor Krankheits-Krise in der Ostukraine

31. Oktober 2014 - 13:41 Uhr

Hunderttausende auf der Flucht

Monatelange Kämpfe zwischen Regierung und Separatisten hinterlassen ihre Spuren: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor dem Ausbruch von Krankheiten und einer generellen Gesundheitskrise in der Ukraine gewarnt.

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Eine Mutter mit ihrem Kind in der umkämpften Region Luhansk in der Ostukraine.
© REUTERS, GLEB GARANICH

Hunderttausende Menschen seien wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten des Landes auf der Flucht. Viele von ihnen müssten in nicht winterfesten Behausungen unter prekären hygienischen Verhältnissen leben, berichtete die Organisation.

Etwa 260.000 Menschen seien als Binnenflüchtlinge in der Ukraine registriert und mehr als 300.000 Menschen aus der Ukraine in Nachbarländer, vor allem nach Russland, geflohen. Die tatsächliche Zahl der Flüchtlinge liege nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR jedoch wesentlich höher.

Das Gesundheitswesen in der Ukraine sei geschwächt, die Impfrate gering und chronische Krankheiten verbreitet. Die WHO bereite angesichts der schwierigen Lage eine gesundheitliche Notversorgung der Bevölkerung vor. In Zusammenarbeit mit dem UNHCR sollten zudem Unterkünfte winterfest gemacht werden.

"Gute Erfolgsaussichten für die Friedensinitiativen"

Die Botschafter der 28 EU-Länder wollen heute in Brüssel über die geplanten Sanktionen gegen Russland beraten. Die Mitglieder der Staatengemeinschaft hatten das härtere Vorgehen zwar endgültig beschlossen, die Anwendung aber verzögert. Dies soll der Moskauer Regierung einige Tage Zeit geben, sich im Ukraine-Konflikt um Frieden zu bemühen. Ob die Botschafter die Anwendung der Sanktionen auf den Weg bringen, ist unklar.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko stellte unterdessen für die von den Rebellen kontrollierten Gebieten einen Sonderstatus in Aussicht. Kommende Woche werde er dem Parlament dazu einen Gesetzentwurf

vorlegen, kündigte Poroschenko an. Es gehe um Teile der Regionen Donezk und Luhansk, die Hochburgen der prorussischen Separatisten. Zugleich betonte er aber, dass es nicht um eine Unabhängigkeit der Region gehe.

Gleichzeitig sprach Poroschenko davon, dass sich ein Großteil der russischen Soldaten wieder von ukrainischem Boden wieder zurückgezogen hat. Den jüngsten Geheimdienstinformationen zufolge seien 70 Prozent dieser Einheiten wieder auf russisches Gebiet zurückgekehrt, sagte der Präsident bei einer Kabinettssitzung in Kiew. "Das bestärkt uns weiter in der Hoffnung, dass es gute Erfolgsaussichten für die Friedensinitiativen gibt."

Auch Kremlchef Wladimir Putin hatte nach einem Telefongespräch mit Poroschenko betont, dass Russland eine Friedensregelung in der Ostukraine unterstütze. Dies teilt der Kreml mit. Die Staatschefs hätten die Notwendigkeit unterstrichen, die vergangenen Freitag vereinbarte Feuerpause beizubehalten.