WHO meldet Rekordzahlen

Sachsens Ministerpräsident: "Zweite Corona-Welle ist schon da" - das meinen Virologen

Coronavirus-Pandemie: In Mexiko-Stadt sprühen Arbeiter eine Desinfektionslösung auf die Straße. Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa
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25. Juli 2020 - 18:17 Uhr

WHO in Sorge

Noch nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb von 24 Stunden so viele Neuinfektionen gemeldet worden wie derzeit. Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer bestätigt: "Die zweite Corona-Welle ist schon da. Sie findet bereits jeden Tag statt."

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So schätzen Virologen die aktuelle Situation ein

Droht uns jetzt eine zweite Welle oder sind wir bereits mitten drin? Führende Virologen geben diesbezüglich noch Entwarnung. "Wir sehen, dass wir eine Zunahme haben", sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg. "Wir müssen aber noch die nächsten Tage abwarten, ob sich dieser Trend fortsetzt, oder ob das ein kleines Aufflackern war und wieder schnell unter Kontrolle gebracht wird", erklärt er.

Noch sei die Situation nicht so dramatisch wie im März, als Deutschland in den Lockdown schlitterte. Im Moment ließen sich Infektionsketten noch nachvollziehen, so der Experte. Allerdings müsse man die Infektionen weiter gut im Auge behalten. Konzentrierte große Ausbrüche wie bei Tönnies seien relativ gut in den Griff zu bekommen. "Jetzt haben wir einen Anstieg in der Fläche und das ist kritischer", erklärt Schmidt-Chanasit. Bei vielen kleinen Ausbrüchen sei es gefährlicher den Überblick zu verlieren. Nun sei die Politik gefragt, zu überprüfen, wodurch diese Ausbrüche verstärkt auftreten und ob dann die ein oder andere Corona-Maßnahme wieder verschärft werden müsse.

"Ich würde es noch nicht eine zweite Welle nennen", sagt auch Virologe Martin Stürmer in einem Interview mit ntv. Trotzdem dürfe man die steigenden Zahlen nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Aktuell sieht die Situation noch gut aus, aber wenn wir jetzt nicht wirklich aufpassen gerade durch diesen Reiseverkehr, könnten wir noch vor dem Herbst in eine zweite Welle reinrutschen", meint er.

Weltweit steigen die Zahlen

Insgesamt waren es am Freitag 284.196 Fälle, teilte die WHO mit. Mit Abstand die meisten Infektionen verzeichneten die USA und Brasilien, jeweils mehr als 67.000. In Indien waren es fast 50.000, in Südafrika 13.000.

Zum ersten Mal seit nahezu vier Monaten ist in Südkorea die Zahl der täglich erfassten Corona-Neuinfektionen wieder auf mehr als 100 gestiegen. Wie die Gesundheitsbehörde mitteilte, wurden am Freitag 113 neue Fälle verzeichnet. Damit kletterte die Gesamtzahl der registrierten Corona-Infektionen auf mehr als 14.000. Es gab bisher 298 Todesopfer in Verbindung mit Sars-Cov-2.

Weltweit waren der WHO seit dem Ausbruch des neuen Virus Ende vergangenen Jahres bis Freitag 15,3 Millionen Infektionen gemeldet worden. Knapp 630.000 Menschen starben nachweislich mit einer Coronavirus-Infektion.

"Jeden Tag neue Infektionsherde"

Die zweite Infektionswelle der Corona-Pandemie hat nach Einschätzung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer auch bereits Deutschland erreicht. "Die zweite Corona-Welle ist schon da. Sie findet bereits jeden Tag statt. Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post" am Samstag. Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. "Das klappt erstaunlich gut."

Nach Ansicht Kretschmers kann Deutschland durch sein föderales System viel präziser vorgehen als zentralistisch regierte Länder. Die Ministerpräsidenten könnten abwägen, was gezielt für einzelne Regionen geregelt werden könne.

Die Gesundheitsminister der Länder haben am Freitag entscheiden, dass alle Reiserückkehrer aus Risikoländern noch am Flughafen getestet werden sollen. Auch alle anderen Flugreisen können sich testen lassen. 

So ist die Corona-Lage in europäischen Ländern

"Weitere Verschärfung der Situation muss vermieden werden"

Der deutliche Anstieg der gemeldeten Coronavirus-Fälle in den vergangenen Tagen beunruhigt das Robert Koch-Institut (RKI). "Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden", teilte eine RKI-Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mit. Die Zahl der neu übermittelten Corona-Fälle lag deutlich höher als in den Vorwochen.

Kretschmer sieht in der Corona-Pandemie die erste zentrale gemeinsame Krisenerfahrung in Deutschland. "Und das Schöne ist: Die Menschen in Ost und West ticken in dieser Krise gleich." 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gebe es keine Unterschiede. "Corona ist der beste Beweis dafür, dass dieses Land zusammengewachsen ist."

Quelle: DPA/RTL.de