WHO erklärt Ebola zum Internationalen Gesundheitsnotfall

06. September 2014 - 19:20 Uhr

WHO darf Grenzen schließen und Reisen verbieten

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist nun nicht mehr nur Sache der betroffenen Länder Liberia, Sierra Leone, Neu-Guinea und Nigeria. Ab sofort gilt die Seuche offiziell als "Internationaler Gesundheitsnotfall". Die Einschätzung wurde einstimmig von den Viren- und Seuchen-Experten des Notfall-Komitees der zuständigen Weltgesundheitsorganisation (WHO) getroffen.

Ebola ist "Internationaler Gesundheitsnotfall"
Ebola: Abtransport eines Toten
© dpa, Ahmed Jallanzo

Die Erklärung, dass es sich um einen Internationalen Gesundheitsnotfall handelt, bedeutet nicht, dass die Bedrohung für Europa gewachsen ist. Es bedeutet, dass die Organisation jetzt weltweit und über betroffene Länder hinweg Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen darf. Möglich sind unter anderem Quarantäne-Maßnahmen wie die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr.

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gab bekannt, dass sie die Empfehlungen des Notfall-Komitees vollständig angenommen hat und damit als weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft setzt. "Alle Maßnahmen sind darauf gerichtet, eine weitere internationale Ausbreitung (von Ebola) zu verhindern", sagte sie bei einer Pressekonferenz in Genf.Aus diesem Grund seien alle Staaten dazu aufgerufen mit Geld, Medikamenten und Fachkräften Hilfe zu leisten. Die EU stockt derweil ihre Finanzhilfe auf acht Millionen Euro auf. Außerdem solle ein zweites mobiles Labor für Gesundheitstests in die Region entsandt werden, wahrscheinlich nach Sierra Leone.

'Ärzte ohne Grenzen' begrüßt zwar die Erklärung der WHO, dennoch betont Bart Janssens, Einsatzleiter der Hilfsorganisation, dass Statements keine Leben retten würden. Seine Organisation wiederhole seit Wochen immer aufs Neue, wie "händeringend nötig" eine massive Reaktion dafür sei, Leben zu retten und die Epidemie abflauen zu lassen. "Es hat Leben gekostet, das zu langsam gehandelt wurde."

Risiko in Europa "äußerst gering"

Die Menschen in Europa müssen sich nach Einschätzung der EU-Kommission wenig Sorgen um eine Ansteckung mit dem Ebola-Virus machen. Das Risiko für Bürger in der EU sei "äußerst gering", teilte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg mit. "Dies liegt sowohl daran, dass es bei relativ wenigen Menschen, die in die EU reisen, wahrscheinlich ist, dass sie mit dem Virus infiziert sind." Zudem sei für eine Ansteckung direkter Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Erkrankten nötig. Borg erklärte weiter: "Die EU hat die Situation in Westafrika für viele Monate verfolgt und für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ebola die EU erreicht, sind wir vorbereitet." Die Brüsseler EU-Kommission arbeite mit den Staaten beim Austausch von Informationen und bei Schutzmaßnahmen zusammen.

Am Frankfurter Flughafen werden Passagiere, die aus Nigeria kommen, über die Krankheit und ihre Symptome informiert. Zwischen dem afrikanischen Land und Deutschland gibt es eine direkte Flugverbindung. Die Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt aus zwei Ziele in Nigeria an: Lagos und Abuja.

Falls die Krankheit sich weiter ausbreitet, sollen laut René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt, alle Maschinen aus Nigeria routinemäßig untersucht werden. Ein Arzt befrage dann Passagiere mit auffälligen Symptomen. Frankfurt sei extrem gut für Notfälle gerüstet. "Wir haben alles in den Schubladen", sagte Gottschalk. Poster zur Information der Passagiere seien fertig.

Indes steigt die Zahl der Toten auf 961. Dennoch gelten davon 339 als Verdachtsfälle. Ebola als Todesursache konnte nur bei 622 Opfern nachgewiesen werden. Aus den betroffenen Ländern in Westafrika wurden demnach am 5. und 6. August 29 weitere Sterbefälle gemeldet.

In Liberia wurden nun Checkpoints eingerichtet, Soldaten hielten Fahrzeuge an und forderten die Fahrer auf, nicht in Richtung Hauptstadt weiterzufahren, berichtete die Zeitung 'Front Page Africa'.