'Whistleblower' Manning vor Gericht: Urteil erwartet

Bereits am Wochenende könnte das Militärgericht in Fort Meade bei Washington ein Urteil gegen Bradley Manning fällen.
Bereits am Wochenende könnte das Militärgericht in Fort Meade bei Washington ein Urteil gegen Bradley Manning fällen.
© REUTERS, JOSE LUIS MAGANA

26. Juli 2013 - 19:57 Uhr

25-Jährigem droht lebenslange Haft

Der erste große Prozess gegen einen Whistleblower in den USA neigt sich dem Ende zu. In ihrem Plädoyer hat die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning schlichtweg einen Verräter genannt. Das Urteil könnte schon in den nächsten Tagen fallen.

Heute wird die Verteidigung ihr Plädoyer halten. Bereits am Wochenende könnte das Militärgericht in Fort Meade bei Washington ein Urteil fällen. Das Strafmaß wird allerdings erst später verkündet. Dem 25-jährigen US-Obergefreiten droht eine lange Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft sprach am Donnerstag rund fünf Stunden lang - und richtete erneut schwerste Vorwürfe an Manning. "Er war kein Humanist, er war ein Hacker", sagte Staatsanwalt Ashden Fein.

'Kollateral-Mörder' kamen ungestraft davon

"Er war keine bedrängte junge Seele, er war ein entschlossener Soldat mit dem Wissen, der Fähigkeit und dem Willen, den USA und deren Kriegsanstrengungen zu schaden." Der Staatsanwalt behauptete: "Er war kein Whistleblower, er war ein Verräter (...)." Manning habe um den Wert der weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst.

Manning hat zwar bereits gestanden, als Soldat im Irak 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben. Darunter das Videomaterial eines tödlichen Angriffs von US-Soldaten auf Zivilisten im Irak, auch 'Kollateral-Mord von Bagdad' genannt. Durch die Veröffentlichung wurde enthüllt, dass die Soldaten nicht – wie von der US-Armee behauptet wurde – aus Notwehr, sondern offensichtlich aus purer Mordlust gehandelt haben. Sie kamen ungestraft davon. Bradley Manning droht durch die Weitergabe der Dokumente eine lebenslange Haftstrafe. Er rechtfertigt sein Handeln damit, dass er die Öffentlichkeit über den Krieg und Kriegsgräuel informieren wollte. Er habe keine böse Absichten gehabt.

Das Verfahren ist der erste große Prozess gegen einen Whistleblower in den USA. Der schwerste Anklagepunkt lautet "Unterstützung des Feindes", wofür die Todesstrafe droht. Die Staatsanwaltschaft hatte aber bereits vor dem Prozess signalisiert, dass sie die nicht fordern will.

Das Verfahren könnte als Präzedenzfall für weitere Whistleblower dienen - etwa für Wikileaks-Chef Julian Assange und den Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden. Assange hält sich seit längerem in der Londoner Botschaft Ecuadors auf, Snowden im Transitbereich des Moskauer Flughafens. Die USA wollen beide unbedingt vor Gericht stellen.